Sollen wir fahren?

Wissen / 05.04.2019 • 11:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aber bräuchte man nicht weniger Autos, wenn sie besser ausgenutzt wären? Reuters
Aber bräuchte man nicht weniger Autos, wenn sie besser ausgenutzt wären? Reuters

Das herumstehende Auto als Umweltproblem.

Schwarzach Das Auto, prophezeit der grüne Landesrat Rauch, habe in seiner bisherigen Verwendung ausgedient. Das Modell, wonach „jeder sein eigenes Auto hat, vielleicht auch zwei, und das steht 23 Stunden am Tag herum und wird dann eine Stunde bewegt, wird so nicht mehr funktionieren“, meint der Landesrat. – Dieses lesend sprang ich auf, stieg ins Auto und machte mich auf Richtung Bludenz.

Was wollte ich dort? Nix, mir fiel nur siedend heiß ein, dass mein Auto noch länger als 23 Stunden herumsteht; ich bewege es keine Stunde, sondern höchstens 15 Minuten am Tag. Dabei benutze ich es eh, sooft es nur geht, mache gleichsam keinen Schritt zu Fuß … zum Glück fiel mir noch vor der Auffahrt Dornbirn-Nord ein, dass da etwas nicht stimmen kann, der Johannes Rauch hat es sicher anders gemeint – weil, nicht wahr, der Klimawandel kommt ja hauptsächlich vom Autofahren, also bedeutet mehr Autofahren mehr klimaschädliche Emission. So gesehen wäre es doch am besten, die Autos stünden nicht 23 Stunden herum sondern den ganzen Tag. Dann wären die Emissionen Null. Warum spricht er dann wie der klassische Unternehmer, der eine Maschine angeschafft hat? Die soll laufen, am besten ununterbrochen. Je mehr sie läuft, desto schneller amortisiert sie sich. Irgendwie kann ich mir aber nicht vorstellen, dass er das gemeint hat.

Nutzloses Herumstehen

Bei anderen Gegenständen ist es noch viel schlimmer: Auf dem Küchenherd wird am Tag eine halbe Stunde gekocht, die übrige Zeit steht er nutzlos herum. Nicht zu reden von den Leuten, die nicht mehr täglich kochen, sondern zum McDonalds fahren (wenigstens nehmen sie das Auto, siehe oben…) Klar: Besser genutzt würden unsere Sachen, wenn 23 Stunden lang jemand anderer damit herumfuhrwerkte. Selbst wenn sich das alles organisieren ließe: Was hätte die Umwelt davon? Es ist doch egal, wer das Auto fährt. Sobald es bewegt wird, erzeugt es Abgase. Sobald der Herd eingeschaltet wird, verbraucht er Strom, egal, wer davor steht und das Sugo umrührt. Aber bräuchte man nicht weniger Autos, wenn sie besser ausgenutzt wären? Da habe ich Zweifel: Ein Pkw, der 24 Stunden „bewegt wird“, wie der Herr Landesrat sich ausdrückt, hat in einem halben Jahr 200.000 Kilometer runtergerissen und muss ersetzt werden. – Natürlich braucht niemand selber ein Auto – wenn er mit Öffis fährt und für Transporte eines ausleihen kann. Wer eine Wohnung in einem großen Block hat, braucht natürlich kein Haus. Eine Küche braucht er auch nicht; wozu gibt es Kantinen? Alles wäre rationeller, alle Lebensbereiche gemeinschaftlich zu organisieren täte der Umwelt gut, keine Frage. Man nennt das Kommunismus. Wurde jahrzehntelang ausprobiert. Den Leuten hat es nicht so gefallen. Aber bitte: Vielleicht bleibt ja nichts anderes übrig. Wer das glaubt, sollte es aber auch sagen . . .