Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Dunkelflaute

05.05.2019 • 08:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In Deutschland besteht die Absicht, den gesamten elektrischen Strom irgendwann aus erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen. Das würde reichen, meinen die Befürworter, denn an guten Tagen produziert Deutschland heute schon ausreichend Solar- und Windstrom. Für eine Industrienation ist es wichtig, dass Strom dauerhaft fließt. Wenn die regenerativen Energien an einem einzigen Tag nicht zuverlässig geliefert werden, dann nützt es gar nichts, wenn an den anderen 364 Tagen Überproduktion herrscht.

Lichter aus

Strom kann in großen Mengen nicht gespeichert werden. Die einzigen brauchbaren großen Stromspeicher sind die Pumpspeicherwerke. In der Nacht wird überschüssige Grundlast gespeichert (das Wasser wird nach oben gepumpt), am Tag wird entladen (das Wasser rinnt nach unten durch die Turbinen). Im Jahr 2017 haben die Deutschen 530 Terawattstunden Strom verbraucht. Deutschland verfügt über 36 Pumpspeicherwerke, die zusammen 0,04 Terawattstunden speichern können. Mehr ist nicht herauszuholen, denn Deutschland hat nicht so viele Berge wie Österreich. Eine Dunkelflaute (wenig Licht, kein Wind) könnten die Deutschen 30 Minuten überbrücken, dann gingen überall die Lichter aus. Tiefkühltruhen, Internet, Verkehrsampeln – nichts geht mehr. Die Krankenhäuser müssten ihre Dieselaggregate hochfahren und Deutschland andere Länder um die Lieferung von Atomstrom ersuchen.

„Deutschland verfügt über 36 Pumpspeicherwerke, die zusammen 0,04 Terawattstunden speichern können.“

Wir blicken nach Österreich. 2016 lieferten unsere Wasserkraftwerke fast 43 Terawattstunden Strom. Zählt man den Strom aus Fotovoltaik und Wind dazu, dann kommen fast drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Das ist der beste Wert in der EU. Die EU-Länder insgesamt kommen durchschnittlich nur auf 29 Prozent. Beim österreichischen Gesamtenergieverbrauch ergibt sich folgendes Bild: 38 Prozent kommen aus Erdöl, 17 Prozent aus Erdgas und 20 Prozent sind Strom. Der Rest verteilt sich auf Kohle, Biomasse usw. Der elektrische Strom ist am Gesamtenergieverbrauch also nur zu einem Fünftel beteiligt.

Österreich weist im Jahr 2017 einen Gesamtverbrauch an Energie von 1,14 Petajoule auf, das ist eine Zahl mit 15 Nullen. Der Verkehr, der seine Energie überwiegend aus Erdöl bezieht, hat daran einen Anteil von 34,6 Prozent. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass Elektromotoren einen höheren Wirkungsgrad haben als Benzin- und Dieselmotoren, müssten wir für einen Verkehr mit E-Autos die Stromproduktion geradezu um Größenordnungen erhöhen. Das wäre nur mit Atom- und Kohlestrom möglich, denn selbst wenn wir auf jeden Berg ein Windrad pflanzen, würde das auch nicht reichen. Ohne Mobilitätswende, ohne massenweise Verzicht auf unsere schönen Autos ist eine Öko-Energiewende nicht machbar.

Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes.

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