Eine zweite Erde?

Wissen / 10.05.2019 • 17:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Proxima hat nur ein Achtel der Sonnenmasse und ein Sechstel ihres Durchmessers.Reuters
Proxima hat nur ein Achtel der Sonnenmasse und ein Sechstel ihres Durchmessers.Reuters

„Proxima Centauri b“ als Hoffnungsträger der Planetenforscher.

Schwarzach Der uns am nächsten stehende Stern „Proxima Centauri“ ist 270.000 mal so weit von der Sonne entfernt wie die Sonne von der Erde. Verkleinerung hilft der Vorstellungskraft: Verkleinert man das Sonnensystem um den Faktor eine Billion, dann ist die Sonne einen Millimeter groß, die Erde nur noch im Mikroskop sichtbar, 15 Zentimeter von der Sonne entfernt – in diesem Maßstab ist Proxima Centauri 40 Kilometer weit weg. Das sind die Größenverhältnisse.

Proxima hat nur ein Achtel der Sonnenmasse und ein Sechstel ihres Durchmessers, man sollte erwarten, dass ihr Strahlkraft dann ähnlich verkleinert ist, aber dieser Stern strahlt 7000 mal schwächer als die Sonne! Man nennt diese Gesellen „Rote Zwerge“, und leider kann man keinen einzigen mit bloßem Auge sehen, obwohl drei Viertel aller Sterne zu diesem Typ gehören. „Rot“ ist ein bisschen irreführend, „rot“ sind sie nur im Spektrographen, Proxima an der Stelle unserer Sonne würde kleiner aussehen als die Sonne, und immer noch zwanzig mal heller als der Vollmond weiß leuchten, die Erde wäre allerdings tiefgefroren.

Gemütlich wäre es erst, wenn man die Erde näher an diesen roten Zwerg heran rücken könnte, etwa den Faktor 85. Dann stünde Proxima allerdings dreizehnmal größer am Himmel als unsere Sonne. Das Jahr würde nur 11 Stunden dauern, und der Tag – genauso lang. Man nennt das „gebundene Rotation“, der Planet hält der Sonne immer dieselbe Seite hin, dort ist ewig Tag, auf der anderen Seite dauernd Nacht.

Weltraumkälte

Das führt zu unangenehmen Verhältnissen. Auf der Nachtseite Weltraumkälte, auf der Tagseite herrschen mehrere hundert Grad. Kein lebensfreundlicher Ort. – Nun sind das keine leeren Spielereien, der reale Stern Proxima Centauri, der vier Lichtjahre weit entfernte, hat nämlich wirklich einen Planeten als Begleiter. Er wurde erst 2016 entdeckt, ist 30 Prozent schwerer als die Erde und umkreist seinen Stern in einer Entfernung von 7.5 Millionen Kilometern, dafür braucht er nur elf Tage. Trotz der Nähe zu Proxima ist es dort kalt: minus 39 Grad, wenn der Planet keine Atmosphäre hat. Hat er eine wie die Erde (man weiß es bis jetzt nicht), sind Plusgrade möglich und damit flüssiges Wasser –als Voraussetzung für Leben. Ein Wermutstropfen ist Proxima selber.

Roter Zwerg

Als Roter Zwerg neigt er zu massiven Strahlungsausbrüchen und kann kurze Zeit tausendmal stärker leuchten als normal. Das würde den Planeten regelrecht rösten. Darum wird von manchen Wissenschaftlern an Proxima Centauri b herumgemeckert; er sei doch viel weniger erdähnlich als angenommen. Man kennt nämlich nur seine Masse, nicht seinen Durchmesser. Er könnte auch ein Gasball sein ohne feste Oberfläche.

Kann man nicht hinfliegen und nachschauen? Dazu gibt es erstaunliche Pläne. Mehr dazu nächstens!