Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Konfuzius

Wissen / 01.06.2019 • 12:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ludwig von Mises (1881 – 1973) war ein österreichischer Wirtschaftswissenschaftler und ein bedeutender Vertreter des klassischen Liberalismus. Er gilt heute noch als einer der großen Pioniere der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, einer Wirtschaftstheorie, die an großen Wirtschaftsuniversitäten der Welt – ausgenommen in Österreich – gelehrt wird. Zu den großen Ideologien sagte er einmal: “Bemerkenswerterweise ist die gebildete Schicht einfältiger als die ungebildete. Die begeistertsten Anhänger des Marxismus, des Nationalsozialismus und des Faschismus waren die Intellektuellen, nicht die Grobiane.“

Flucht und Mord

Mises hatte Recht. Die Protagonisten des Kommunismus waren Marx, Engels, Lenin, Trotzki und andere Intellektuelle. Den „Führer“ der deutschen Nationalsozialisten, der seine Schulkarriere mit sieben Nicht genügend im Abgangszeugnis einer oberösterreichischen Realschule beendet hatte, kann man nicht als Intellektuellen bezeichnen. Die Leute in der zweiten Reihe waren jedoch gebildete Männer, darunter der Historiker und Ideologe Alfred Rosenberg und viele SS-Offiziere. Unter den Naturwissenschaftlern und Technikern war die Begeisterung für Nationalsozialismus und Kommunismus überschaubar. Vor Hitler flohen sie in Scharen nach Großbritannien und in die USA. Stalin ließ sie kurzerhand ermorden, wie ein jüngst erschienenes Buch beschreibt. (Simon Ings: „Triumph und Tragödie“, Verlag Hoffmann und Campe).

Strahlkraft

Die iranische Anwältin Nasrin Sotoudeh wurde wegen „offenem sündhaften Auftreten in der Öffentlichkeit ohne Kopftuch“ zu über 30 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt, und ihre Landsfrau Vida Movahed wurde nach ihrem Anti-Kopftuch-Protest wegen Anstiftung zu „Verdorbenheit“ ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Islamismus übt daher nur auf antisemitische Zeitgenossen eine Strahlkraft aus, die freie Wissenschaften, freie Künste und andere demokratischen Ideale ablehnen.

„Die konfuzianische Lehre der asiatischen Tigerstaaten propagiert eine Meritokratie.“

Eine Ideologie wird noch ausgeblendet, der Konfuzianismus. Die Volksrepublik China nennt sich zwar „kommunistisch“, aber das ist Fassade. Wer China bereist, sieht ein kapitalistisches Land unter konfuzianischer Lehre. Die Sprüche des Konfuzius sind scharfsinnig, seine Philosophie ist leistungsorientiert und betont die sozialen Hierarchien. Ideen, die einen sozialen und politischen Egalitarismus errichten wollen, werden verworfen. Sozialismus ist somit das politische Gegenteil des Konfuzianismus. Die konfuzianische Lehre der asiatischen Tigerstaaten propagiert eine Meritokratie. Sie könnte durchaus zur dominierenden Ideologie dieses Jahrhunderts werden.

Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes.