Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Die Ausbeute

Wissen / 31.08.2019 • 09:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Apolloprogramm war ein teurer technologischer Kraftakt der USA. Viele fragten sich, ob dieses Projekt das Geld wert war. Es kann heute keinen Zweifel geben, dass die technischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse enorm waren. Kein wissenschaftliches Programm hatte solche Langzeitfolgen wie die Flüge von Apollo 7 bis Apollo 17.

Die NASA-Ingenieure bauten beispielsweise einen Kassettenspieler mit Minilautsprecher für die Astronauten. Die Firma Sony übernahm die Idee und machte dieses Gerät als „Walkman“ und „Discman“ massentauglich. Die heutige Unterhaltungselektronik ist daher ein technischer Abkömmling des Apolloprogramms.

Laser und Steine

Die Apollo-Astronauten stellten auf dem Mond Laserreflektoren auf, die heute noch funktionieren. Sie werden nach wie vor mit Geräten der Universität Texas angepeilt, um feine Veränderungen der Mondbahn zu erfassen („Lunar Laser Ranging“). Aus diesen Experimenten wissen wir, dass sich der Mond alljährlich um 3,8 cm von der Erde entfernt. Nach Auswertung der mitgebrachten Mondgesteine wissen wir auch, dass der Mond kein „eingefangener“ Himmelskörper ist, sondern vor Jahrmilliarden nach einer Kollision mit einem anderen Himmelskörper aus der Erde herausgeschlagen wurde.

„Die wichtigste Folge des Apolloprojekts war die Wirkung auf uns junge Menschen.“

Aus dem Apolloprogramm gingen viele „Spin-off-Techniken“ hervor wie etwa feuerfeste Materialien für Feuerwehren, Flüssigkeitsaufbereitung für Dialysepatienten und robuste Isolierschäume für Raumschiffe, Flugzeuge und Pipelines.

Aus dem Trainingsprogramm für Astronauten entstanden verschiedene physiotherapeutische Methoden für Patienten mit Herz- und Kreislaufproblemen. Ein speziell entwickeltes chemisches Verfahren zum Reinigen von Triebwerksteilen wird heute zur Aufbereitung von Trinkwasser nach schweren Erdbeben eingesetzt.

Die MINT-Revolution

Die wichtigste Folge des Apolloprojekts war die Wirkung auf uns junge Menschen. Die Technikbegeisterung war damals so groß, dass sich mehr Jugendliche als heute die Mühe machten, ein schwieriges MINT-Fach (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) zu absolvieren. Die Bearbeitung und Lösung technisch-wissenschaftlicher Probleme war damals „in“, was sich positiv auf den technologischen Fortschritt auswirkte, der sich in Zahlen gar nicht ausdrücken lässt. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung ist angesichts der vielen Folgen des Apollo-Zeitalters unmöglich. Apollo war, wie es der deutsche Philosoph Carl Friedrich Gethmann ausdrückte, die Geburtsstunde einer „kosmischen Kultur“.

(Das traditionelle Sommerthema des VN-Scheinwerfers lautete in diesem Jahr „50 Jahre Mondlandung“ und endet hier.)

Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes.