Die Kraft der Wellen

Wissen / 27.09.2019 • 10:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die normalen Wellen entstehen durch den Wind, der über das Wasser der Ozeane weht.AFP
Die normalen Wellen entstehen durch den Wind, der über das Wasser der Ozeane weht.AFP

Wie man an Küsten Strom erzeugen kann.

Schwarzach Der Urlaub ist vorbei, manche von uns kehren von einer Meeresküste zurück. An solchen Orten lässt sich innere Ruhe finden, wenn man die endlos einlaufenden Wellenzüge der Brandung beobachtet. Aber genau diese Wellen könnten auch die Energie der Sonne nutzen. Die erzeugt nämlich fast alle Wellen, die es auf der Erde gibt – Ausnahme sind Tsunamis, ausgelöst durch Seebeben, zum Glück eher selten. Die normalen Wellen entstehen durch den Wind, der über das Wasser der Ozeane weht, und der Wind durch die unterschiedliche Erwärmung verschiedener Gebiete der Erde durch die Sonne. Nur 0,2 Prozent der global eingestrahlten Sonnenenergie wird in Wind umgesetzt, davon wieder 0,1 Prozent in Wellenenergie, das sind zusammen zwei Millionstel der Sonnenenergie, klingt nach wenig, aber durch die riesigen Mengen an eingestrahlter Energie ist das ein nicht zu verachtender Beitrag.

Wellenenergie lässt sich relativ einfach gewinnen: Man braucht ein nach unten offenes senkrechtes Rohr, das ins Wasser eintaucht. Die Wassersäule steigt im Takt der Wellen auf und ab, die Luft darüber wird am oberen Ende hinausgepresst, wenn das Wasser im Rohr steigt und wieder eingesaugt, wenn es fällt. Man nutzt dieses Hin und Her des Luftstroms durch eine Windturbine, also einen Propeller, der über einen Generator Strom erzeugt.

Fehlplanung

Die erste Anlage dieser Art ging auf der schottischen Insel Islay in Betrieb, sie hätte 500 Kilowatt liefern sollen, daraus wurde nichts wegen Fehlplanung. Inzwischen hat man dazugelernt. Im baskischen Mutriku ist seit ein paar Jahren eine größere, in eine Hafenmole integrierte Anlage in Betrieb. Die Anlage soll 660.000 KWh pro Jahr liefern und damit 250 Haushalte versorgen – relativ wenig für ein Werkl, das 2,3 Millionen Euro gekostet hat. Das Grundprinzip ist einfach, es gibt aber Schwierigkeiten: Lange Zeit war es unmöglich, die Bewegung des Wassers mit vernünftigem Aufwand in eine gleichförmige Drehbewegung umzuwandeln. Heute verwendet man nach ihrem Erfinder benannte Wells-Turbinen, die sich immer in derselben Richtung drehen, egal, von welcher Seite sie durchströmt werden. Man darf auch nicht vergessen, dass die Wellenenergie heute da steht, wo die Windnutzung vor vierzig Jahren war. Der Hersteller schätzt das weltweite Potentzial auf 1,8 Terawatt Leistung, was bei nur 2000 Betriebsstunden (manchmal sind die Wellen halt zu klein …) immerhin 3,6 Milliarden Kilowattstunden Energie ergäbe. Also schön, das sind nur 2,2 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Erbsenzähler im Internet bemühen sich vorzurechnen, dass so ein Kraftwerk wegen des zusätzlichen Gaskraftwerks, das man für die „Wellenflaute“ vorhalten müsse, nie und nimmer wirtschaftlich zu betreiben sei. Mag sein. Aber das hat es früher auch bei Wind und Photovoltaik geheißen.