“Unsere Musik ist ein Spiegel von uns selbst”

Wohin / 07.07.2016 • 13:42 Uhr
„OK Kid“ präsentieren beim Poolbar-Festival Songs aus ihrem neuen Album „Zwei“. Foto: Stefan Braunbarth
„OK Kid“ präsentieren beim Poolbar-Festival Songs aus ihrem neuen Album „Zwei“. Foto: Stefan Braunbarth

Die deutsche Band „OK Kid“ ist beim Poolbar-Festival in Feldkirch live zu erleben.

Feldkirch. Vor drei Jahren erschien das selbstbetitelte Album „OK Kid“ von der gleichnamigen Band. Nun ist die deutsche Band mit ihrem Nachfolgealbum „Zwei“ zurück. „OK Kid“ sprechen im VN-Interview über Inspiration, Veränderungen und politisch brisante Themen.

Euer neues Album strotzt nur so vor eigener Meinung. Seht Ihr die Musik als ein Mittel zur Aufklärung?

Ok Kid: Musik ist bei uns immer ein Spiegel von uns selbst. Anders als auf dem Vorgängeralbum haben wir uns auch privat mehr mit politischen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandergesetzt. Da fließt das dann auch in unsere Musik. Wir haben aber nicht den Anspruch, weiterhin politische Songs wie „Gute Menschen“ zu schreiben. Viel mehr sind wir offen, Themen zuzulassen, die uns bewegen. Das kann auf dem nächsten Album wieder völlig anderes sein. 

Was haltet Ihr generell davon, wenn Musiker oder Künstler aktuelle, brisante Probleme thematisieren?

Ok Kid: Da ist generell nichts Schlechtes dran. Nur sollte man schauen, aus welcher Motivation das ein Künstler macht. Uns kommt es teilweise so vor, dass manche Acts einen politischen Vorwand eigentlich nur zur eigenen Promotion nutzen. Nach dem Motto: „Lass uns mal schnell ein Song über Flüchtlinge schreiben, das findet jetzt gerade bestimmt großen Anklang.“ Sowas hört man aber auch schnell raus. Trotzdem freut es uns natürlich, wenn Künstler sich äußern und etwas zum Positiven bewegen möchten.

Pop oder Rap – bei Euch ist die Richtung nicht so eindeutig. Wir würdet Ihr Euren Musikstil am ehesten beschreiben?

Ok Kid: Wir leben zum Glück in einer Zeit, in der Genregrenzen und Subkulturen miteinander verschmelzen. Wir wollen uns da keinen Stempel geben lassen, sondern jedem Hörer die Chance geben, sich ein eigenes Urteil darüber zu bilden. Viel spannender als die Frage nach dem Genre ist es doch zu sehen, was die Musik mit mir anstellt? Berührt sie mich? Wenn, ja warum? Was ist das Spezielle daran? 

Inwiefern hat sich Eure Musik in den letzten Jahren verändert?

Ok Kid: Wir sind offener geworden und lassen mehr Sachen zu. Früher hatten wir vielleicht eine Vorstellung, wie ein Song klingen sollte, aber vielleicht war es etwas zu verkopft. Heute machen wir Musik wahrscheinlich gefühlsorientierter. Dazu kommt, dass wir drei uns noch viel intensiver kennen als vor einigen Jahren und wir genau wissen, wie der andere musikalisch tickt.

Wie entstehen Eure Songs? Wovon lasst ihr euch gerne inspirieren?

Ok Kid: Beim aktuellen Album sind die Songs in einer relativ kurzen Zeit entstanden. Vor jedem größeren musikalischen Projekt fahren wir erst in einen ausgiebigen Bandurlaub, um über unsere Inspiration zu sprechen. Dann fangen Raffi und Moritz an, Song-Layouts zu entwerfen und Jonas schreibt Texte. Beim neuen Album wussten wir schnell, was wir wollten. Die Inspiration ist dabei eher von einem selbst gekommen. Ich glaube gerade dann, wenn man in sich hinein gehört und die Außenwelt beim Schreiben vergisst, können richtig gute Songs entstehen.

Der Song „Es ist wieder Februar“ thematisiert die Tiefen des Lebens. Habt auch Ihr schlechte Zeiten?

Ok Kid: Natürlich. Das schöne bei diesem Track ist ja, dass man aus einer schlechten Phase etwas Positives zieht. Ich möchte im Nachhinein die schlechten Zeiten nicht missen, weil sie mich gerade zu dem Menschen machen, der ich bin. Ohne die schlechten Zeiten hätten wir wahrscheinlich die Inspiration für viele Songs von uns nicht gehabt. Lieber ein Auf und Ab, als ein ewiges Mittelmaß (lacht).

Was darf man sich von Eurem Konzert beim Poolbar-Festival erwarten?

Ok Kid: Wir freuen uns, endlich wieder mal in Österreich spielen zu dürfen. Früher waren wir mit unseren Eltern in Vorarlberg Skifahren und heute kommen wir, um unser neues Album „Zwei“ zu spielen. Unsere Auftritte sollen immer eine Mischung aus Zuhören und Verstehen, aber auch Euphorie und Ekstase sein. Wenn das Publikum und wir dann auf Augenhöhe inmitten einer Endorphinwolke schweben, ist alles, was wir wollten, erreicht.

Zur Person

Jonas, Moritz und Raffael

Bandgründung: 2006 unter dem Bandnamen Jona:S

Laufbahn: ihr erstes Album „OK Kid“ kam 2013 auf den Markt, Nachfolgealbum „Zwei“ im April veröffentlicht

Erfolge: 2014 Teilnahme am Bundesvision Song Contest für Hessen

„OK Kid“ gastieren am 16. Juli beim Poolbar-Festival in Feldkirch. Tickets: v-ticket, Musikladen, etc.