Bei „Großstadtgeflüster“ geht’s um Gefühle – Sängerin Jen im VN-Interview

Wohin / 26.07.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Großstadtgeflüster“ sind am 3. August beim Szene Openair in Lustenau zu Gast. BAND

Das Berliner Elektro-Pop-Trio „Großstadtgeflüster“ sorgt beim Szene Openair für Stimmung.

Euer Sound bewegt sich zwischen Elektropop und Elektropunk. Wie genau würdet ihr selbst euren Stil beschreiben?

Das trifft’s schon ganz gut, man müsste wahrscheinlich noch Trashrap mit reinnehmen, um uns in Schubladen gedacht gut zu beschreiben. Aber vor allem versuchen wir uns nicht zu langweilen, deshalb ist es durchaus möglich, dass auf einem zukünftigen Song ein Didgeridoo oder ein Tennisschläger zu hören ist. Ist geschmacksphasenabhängig … Das aktuelle Album ist sehr Synthe-lastig.

Was würdet ihr als ganz charakteristisch für den Sound von Großstadtgeflüster bezeichnen?

Wir haben eine Vorliebe für Hits mit Schmiss, aber sind gelangweilt von Konsenspop. Aus diesem Widerspruch heraus versuchen wir interessante Lieder zu schreiben. Meistens klappt das nicht … In unseren nicht veröffentlichten Ordnern liegt viel dämliches Zeug. Aber vielleicht wird das ja das nächste Album. Zusammengefasst könnte man unseren Sound auch als elektronisch-experimentellen Unterhaltungsquatsch bezeichnen.

Jen, du schreibst ja die Texte – worauf legst du bei euren Texten besonderes Augenmerk?

Riffsn und ich schreiben unseren Kram in der Regel gemeinsam. Und es geht im Endeffekt um Gefühle. Aber weniger um Liebe. Eher die anderen Gefühle. Zum Beispiel Misanthropie, Verkanntheit, Unzufriedenheit, Aggression, Im-Arsch-Sein, Nicht-Klarkommen, Gleichgültigkeit, Überforderungen, geistige Verstopfungen. Also alles das, was man sich als Kind immer erträumt hat.

Großstadtgeflüster gibt’s ja schon über fünfzehn Jahre. Gibt es da den einen oder anderen Großstadtgeflüster-Song, den ihr nicht mehr hören könnt oder andersrum, einen Song, der für euch einen besonders wichtigen Stellenwert hat?

Es gibt auf jeden Fall Lieder, die schwer zu ertragen sind im Nachhinein. Einen besonderen Stellenwert haben z. B. Ich muss gar nix, Fickt-Euch-Allee und Feierabend, nicht unbedingt, weil wir sie am meisten mögen, sondern weil wir u. a. diesen drei Songs verdanken, dass unser Lieblingshobby immer noch so etwas wie eine Daseinsberechtigung hat.

Ihr habt im Frühling eure neue Single „Neue Freunde“ herausgebracht. Ist auch schon ein Album in Arbeit?

Auf jeden Fall. „Trips & Ticks“ heißt es. Haben wir vor ein paar Wochen endlich fertiggekriegt. Das Album wird am 16. August erscheinen. Auf CD, Vinyl, digital, in einer Box. Für jeden was dabei. Hört euch das alle an.

Welche Ziele möchtet ihr noch erreichen?

Das mit den Zielen hat bei uns immer das Gegenteil bewirkt. Da hängen dann immer so Ansprüche und Erwartungen dran. Und je mehr wir uns entspannen, desto entspannter läuft’s. Das Universum gewinnt eh immer.

Ihr kommt demnächst zum Szene Openair in Lustenau – auf was können sich eure Fans freuen?

Auf die anderen Bands !

Szene Openair: 1. bis 3. August am alten Rhein in Lustenau. Großstadtgeflüster treten am Samstag um 17 Uhr auf. Infos/Tickets: http://www.szeneopenair.at