Mut zur Eigenverantwortung

05.11.2015 • 17:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Minister Kurz:
Minister Kurz: „Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, dürfen wir uns nicht vor Digitalisierung fürchten.“

Flüchtlinge in Arbeitsmarkt zu integrieren, ist für Minister Kurz extreme Herausforderung.

schwarzach. Als exportorientiertes Land ist Vorarlberg teils stärker als der Rest Österreichs abhängig von der Wirtschaftsentwicklung in der EU. Europa wiederum ist abhängig vom Gas aus Russland, vom Öl vom Golf und hinkt im digitalen Bereich der globalen Entwicklung hinterher. Sebastian Kurz (29, ÖVP), Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, drängt daher auf mehr Energiesicherheit und auf eigene Initiativen im Bereich Digitalisierung. Letzteres ist ihm ein besonderes Anliegen.

„Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, dürfen wir uns nicht vor Digitalisierung fürchten, sondern müssen sie aktiv zu unserem Vorteil nutzen“, erklärt Kurz und hält fest, dass dies eine „Kernaufgabe der Politik“ sei. Dass Österreich wie der Rest Europas hier ins Hintertreffen geraten ist, erklärt der Minister mit unserer Kultur: „Wenn ein HTL-Absolvent nach der Schule eine gute Idee hat, sich selbstständig machen will, würde man ihm in Österreich wahrscheinlich raten: Geh’ in ein ordentliches Unternehmen, arbeite dort ein paar Jahre. Wenn man in Amerika eine gute Idee hat, sind viele der Meinung, es wäre ein Verbrechen, sie nicht auszuführen.“ Österreich brauche wie der Rest Europas einen Kulturwandel, mehr Mut zu Eigenverantwortung und Unternehmertum: „Wir brauchen eine bessere Kultur des Scheiterns.“

Kultur, respektive Werte, stellen für Kurz auch eine zentrale Basis für die bevorstehende Integration von Flüchtlingen in den österreichischen Arbeitsmarkt dar: Die wesentlichen Maßnahmen dafür seien: „Verbesserung der Deutschkenntnisse, so früh wie möglich. Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen. Geeignete Wohnverhältnisse und Stärkung der Werte für ein gemeinsames, respektvolles Zusammenleben.“ Ob die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt oder nicht, hängt für den Minister ganz klar von diesen Weichenstellungen ab. Wobei Kurz klarstellt, dass es eine extrem herausfordernde Aufgabe darstellt, Flüchtlinge, die in Österreich Asyl bekommen, gut in den Arbeitsmarkt einzubinden. Andererseits: „Wenn es uns nicht gelingt und wir Flüchtlinge auf Dauer durch Sozialleistungen finanziell unterstützen müssen, belastet das unsere Volkswirtschaft enorm.“ Im September habe die Regierung zusätzlich 75 Millionen Euro für Integrationsmaßnahmen beschlossen.

Die Türkei ist für Kurz ein Schlüsselland bei der Bewältigung der aktuellen Flüchtlingskrise und die islamische Republik spitzt in diesem Zusammenhang auf einen rascheren EU-Beitritt. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Überlegungen. „Die Türkei ist schon heute ein wichtiger Wirtschaftspartner für Österreich und die EU. Unsere Unternehmen sind bereits unter den führenden Auslandsinvestoren in der Türkei“, erklärt Kurz, der diesen Bereich aber klar trennen will vom weiteren Verlauf des Beitrittsprozesses.

Chance Osterweiterung

Anders sieht es bei einem möglichen EU-Beitritt des Kosovo aus, mit dem die EU gerade erst ein Assoziationsabkommen unterzeichnet hat: „Was den wirtschaftlichen Aspekt anbelangt, hat Österreich von der Osterweiterung klar profitiert. In den Staaten des westlichen Balkans sind wir bereits jetzt wirtschaftlich stark präsent, eine glaubhafte Beitrittsperspektive würde auch im Kosovo neue Chancen eröffnen.“ Die Herausforderungen seien aber auch klar: ein gut funktionierender Parlamentarismus, der Kampf gegen die Korruption müsse verstärkt und bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und ausländische Investoren geschaffen werden.

Österreich braucht einen Kulturwandel. Wir brauchen eine bessere Kultur des Scheiterns.

Sebastian Kurz

Zur Person

Sebastian Kurz

Außen- und Integrationsminister

Geboren: 27. August 1986 in Wien

Werdegang: Nach Matura Jus-Studium an der Uni Wien (unterbrochen). 2009 Bundesobmann der JVP. 2011 Integrationsstaatssekretär. Seit 2013 Bundesminister.