Als Mensch einen Wert haben

Extra / 10.11.2022 • 19:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Samuel Koch im Interview: Er versteht es wirklich, Mut, Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten.
Samuel Koch im Interview: Er versteht es wirklich, Mut, Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten.

Für Samuel Koch kommt das Sein vor dem Tun und Haben.

bregenz „Top, die Wette gilt!“ Dieser Satz, mit dem Samuel Koch seinen Vortrag beim Wirtschaftsforum einleitete, ließ vermutlich so manchen Besucher aufhorchen, erinnerte er doch genau an jenen Unfall, der den ehemaligen Kunstturner in den Rollstuhl brachte. Doch Koch hing nicht in der Vergangenheit fest. Vielmehr zitierte er jene Passage aus Goethes Faust, in der dieser eine teuflische Wette mit Mephisto eingeht. Faust, der sich in einer tiefen Krise befindet, möchte auf diese Weise wieder Zufriedenheit erlangen. Samuel Koch war mit dem Stück drei Jahre lang auf der Bühne des Frankfurter Staatstheaters.

Keine Warum-Frage

Seine Leidenschaft für die Schauspielerei konnte der Unfall ebenso wenig brechen wie die Freude am Leben. „Warum gerade ich?“ Diese Frage habe er sich nicht wirklich gestellt. „Ich wusste ja, warum. Ich hatte mich wider mein Bauchgefühl entschieden, etwas zu machen und bin gescheitert. Damit war die Warum-Frage relativ schnell geklärt“, erzählt Samuel Koch. Er hielt sich nicht lange damit auf, zu hadern und zu zweifeln, sondern versuchte die Frage umzuwandeln in „Was kann mir das Leben jetzt noch bieten“ oder „Was kann ich dem Leben vielleicht noch bieten“. Als Mensch einen Wert zu haben, darauf komme es an. „Wir messen unseren Wert oft an Errungenschaften“, sagte Koch. Doch was, wenn diese nicht mehr da sind? „Werde ich für das Menschsein geschätzt, bin ich auch dann noch jemand“, lautete die einfache Antwort. Erzählt Samuel Koch, klingt er abgeklärt, spielt mit Ironie und Humor. Der werde ihm oft nachgesagt, zitiert er gleich Ringelnatz, der weiland meinte: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass der Kragen platzt.“ Da sei was dran, räumt Koch ein und dass es auch bei ihm gute und schlechte Phasen gebe. Trotzdem: „Lieber lache ich.“

Sein einnehmendes Wesen weckt bei Menschen, die ihm zuhören, Erwartungen. „Gibt es ein Patentrezept, um sich aus Krisen herauszumanövrieren?“ Diese Frage hört Samuel Koch bei seinen Vorträgen oft. Es tut ihm leid, die Leute enttäuschen zu müssen, denn: „Es gibt kein universell anwendbares Patentrezept für den Umgang mit schwierigen Zeiten.“ Er hat trotzdem versucht zu ergründen, was in kniffligen Situationen hilft. Ein Ergebnis ist das „Steh-auf-Mensch!“-Buch. Für ihn war es in der Akutphase wichtig, eine „wunderbare Familie und Freunde zu haben, die da waren, da sind“. Manchmal sei die Abwesenheit von netten Leuten ebenfalls angenehm. Samuel Koch lächelt bei dieser Feststellung. Persönlich stark gemacht hat ihn außerdem, wieder nützlich zu sein, eine Beschäftigung zu haben, einen Sinn, in dem, was man tut, denkt oder sagt.

Glaube an den Fortschritt

Auch Mitleid schlug Koch entgegen. Ihm sind Mitgefühl und Empathie lieber. „Beides schadet nie.“ Vor allem von der Empathie würde er sich oft mehr wünschen. Dass der Unfall oft noch das ist, was zuerst mit ihm in Verbindung gebracht wird, ist ebenfalls ein Störfaktor. „Wenngleich es berechtigte Kritik an unserer Leistungsgesellschaft gibt, bin ich Teil davon und würde lieber für meine Leistung erkannt werden als für meine Fehlleistung“, wird Koch deutlich. Eher vage bleibt er, was seine Zukunft betrifft. Auf jeden Fall will er dem Schauspiel treu bleiben und „ein guter Freund, Bruder, Sohn und Ehemann sein“. Damit sei er gut ausgelastet, merkt er schmunzelnd an. Und natürlich glaubt er an eine Besserung seiner Querschnittlähmung. „Sonst würde ich mich nicht so für die Rückenmarksforschung starkmachen.“ Es sei schon viel passiert, und es werde noch viel passieren. „Bald schon“, ist Samuel Koch überzeugt. Die Frage sei nicht ob, sondern wann.

Zur Person

Samuel Koch

will Menschen darin bestärken, aus jeder Situation das Beste zu machen.

Geboren 1987 in Neuwied

Ausbildung Schauspielstudium, Mitglied am Nationaltheater Mannheim

Laufbahn Schauspieler, Buchautor, Vortragender

Familie verheiratet

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