Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Wechseljahre

Gesund / 29.05.2015 • 10:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Hormone kommen zurück! Es war wahrscheinlich naiv, schreibt die Nachfolgedirektorin des National Heart, Lung und Blood Institute der NIH in Bethesda, Dr. Elizabeth G. Nabel. In der großen Studie ihres Instituts wurden Ergebnisse erwartet, die für Frauen von 50 bis 86 anwendbar sind (Women’s Health Initiative, WHI). Von diesen Frauen, zu zwei Dritteln über 60 Jahre, hatten nur fünf Prozent Wechselbeschwerden, und alle haben undifferenziert dieselben, nicht natürlichen Hormone erhalten. Wegen schlechten Ergebnissen kam es 2002 zu einem vorzeitigen Studienabbruch mit teils plakativer Darstellung der Nebenwirkungen in den Medien. Es hat 13 Jahre gedauert, um diese Fehler zu verstehen, zu korrigieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Starke Beschwerden mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität erleben 20 Prozent aller Frauen im Wechsel. Auch werden viele Wechselbeschwerden oft über Jahre nicht als solche erkannt: Herzklopfen, Atemnot, Durchschlafstörungen, allgemeine und Scheidentrockenheit, Fingergelenksbeschwerden, verringerte psychische Belastbarkeit und andere, oft völlig unerwartete Symptome. Bei den Betroffenen kann eine gesunde Lebensführung allein die Symptome oft nicht lindern. Auch der Einsatz von pflanzlichen Präparaten (Soja, Rotklee, Traubensilberkerze, Mönchspfeffer und andere) oder Bienenprodukten kann nicht immer das Wohlbefinden wieder herstellen.

Welche Möglichkeiten der Hormontherapie haben wir heute und was haben wir aus den Fehlern der amerikanischen Studie gelernt? Die wichtigsten Erkenntnisse sind, dass die Hormongaben nur bei Wechselbeschwerden und maximal zehn, besser nur fünf Jahre über die letzte Regel hinaus gegeben werden sollen. Im internationalen gynäkologischen Schriftgut wird diese Zeit als „Window of Opportunity“ und in internistischen Publikationen als „Timing Hypothese“ bezeichnet. Nach zehn Jahren Hormontherapie überwiegen zunehmend die Nachteile. Grundsätzlich soll natürliches, bioäquivalentes Östrogen, wie es der Eierstock produziert, direkt ins Blut abgegeben werden. Das erreicht man über die Haut mit Östrogen-Gel oder Pflaster. Die orale Östrogentherapie über Magen-Darmtrakt und Leber führt zu einer Erhöhung des Thromboserisikos. Wie allgemein in der Medizin gültig, soll die Östrogendosis an den Bedarf angepasst und so niedrig wie möglich gehalten werden. Bei Frauen nach Gebärmutterentfernung kann auf die Gabe des natürlichen bioäquivalenten Gelbkörperhormons (Progesteron) verzichtet werden. Progesteron wird unmittelbar vor dem Schlafen geschluckt, die Sicherheit der Resorption über die Haut ist selbst bei höchster Dosierung von 10 Prozent wissenschaftlich umstritten.

Die Therapie mit Östrogen und Progesteron muss für jede Frau individuell angepasst werden. Wirkungen und Nebenwirkungen sollen exakt beobachtet und berichtet werden. Gegenanzeigen wie etwa erhöhtes Thromboserisiko, starkes Übergewicht, erhöhter Alkoholkonsum und andere mehr müssen berücksichtigt werden.

Neue Erkenntnisse helfen Frauen mit Wechselbeschwerden.

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Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein