Das Gehirn ist parteiisch

Gesund / 03.05.2019 • 08:38 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Das Gehirn sieht unsere Handlungen und Wahrnehmungen laut Studie immer vorher.
Das Gehirn sieht unsere Handlungen und Wahrnehmungen laut Studie immer vorher.

Forscher glauben, dass man die eigene Reaktion zuerst wahrnimmt.

Tempe Zwei Spieler kämpfen um den Ball und der landet im Aus. Beide behaupten, der andere Spieler habe ihn rausgeschossen. Das kann Taktik sein, um den Einwurf zu bekommen. Das kann aber auch an einem Wahrnehmungsproblem liegen, das legt zumindest eine US-amerikanische Studie nahe. Bei fast gleichzeitigen Aktionen glaubten die Teilnehmer mehrheitlich, sie hätten zuerst reagiert. Die Psychologen Ty Tang und Michael McBeath von der Arizona State University berichteten im Fachmagazin „Science Advances“, es könne durchaus sein, dass im Streit um einen Einwurf beide Spieler ehrlich glauben, sie hätten den Ball vor dem Gegner berührt. Bei Tests, in denen zwei sich gegenüber sitzende Teilnehmer gleichzeitig reagierten, behaupteten demnach durchschnittlich 67 Prozent, sie selbst seien schneller gewesen.

Ich war schneller!

Die Forscher gehen davon aus, dass das Gehirn die eigene Reaktion zuerst wahrnimmt und dann erst das externe Handeln. Das Phänomen nennen die Psychologen „egozentrische Zeitordnung“. Das Gehirn sehe unsere Handlungen und Wahrnehmungen immer vorher, erklärt McBeath. „Menschen können deshalb ihre eigenen Handlungen nahezu in Echtzeit wahrnehmen, zum Beispiel wenn sie einen Baseball fangen oder wegschlagen. Aber wir brauchen etwas mehr Zeit, um etwas Unerwartetes zu verarbeiten, zum Beispiel wenn uns jemand überraschend auf die Schulter klopft.“

Das Gehirn verhalte sich „parteiisch“, sagen die Forscher. Sie glauben, dass die Studie für mehr Akzeptanz bei der unterschiedlichen Bewertung von Situationen, zum Beispiel im Sport, sorgen könnte.