Glutenfrei ist nicht für alle gut

03.05.2019 • 06:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine glutenfreie Ernährung sei für die Bevölkerung allgemein nicht zu empfehlen, sagt Carola Lumesberger.
Eine glutenfreie Ernährung sei für die Bevölkerung allgemein nicht zu empfehlen, sagt Carola Lumesberger.

Für gesunde Personen bringe diese Ernährung erhöhte Gesundheitsrisiken mit sich.

Wiener Neustadt In den Supermärkten mehren sich Produkte „ohne Gluten“ und in den Buchhandlungen einschlägige Kochbücher. Gesunde Personen sollten sich aber nicht glutenfrei ernähren, erläutert Carola Lumesberger von der Fachhochschule Gesundheitsberufe Oberösterreich. Sie würde keine nachweisbaren Vorteile, aber erhöhte Gesundheitsrisiken bringen.

Ein Prozent

Ein Prozent der Bevölkerung ist von der Krankheit Zöliakie betroffen. Dabei reagiert der Dünndarm überempfindlich gegen Gluten-Bestandteile und ist dadurch chronisch entzündet. Die derzeit einzig mögliche Therapieform ist eine glutenfreie Ernährung. „Es steigt aber auch die Zahl der Menschen, die ohne diagnostizierte glutenbedingte Erkrankung von einer glutenfreien Diät Gebrauch machen“, führt Lumesberger aus. Sie würde propagiert und den gesunden Menschen durch eine Vielzahl an glutenfreien Produkten und Kochbüchern schmackhaft gemacht. Das sei allerdings problematisch.

Bei Zöliakiebetroffenen bringe eine glutenfreie Diät zwar eine komplette Erholung des Dünndarms, aber als Nebenwirkung auch Gesundheitsrisiken: Ihr Body-Mass-Index (BMI) steige, das heißt, sie nehmen bei solch einer Diät zu. Teils sei das aber auf eine vorangegangene Gewichtsreduktion durch die Krankheit bedingt, sagt die Diätologin. Außerdem begünstige eine Ernährung ohne Gluten Bluthochdruck und erhöhe das Risiko für ein metabolisches Syndrom. Diese Wohlstandserkrankung zeichnet sich durch bauchbetonte Fettsucht, starkes Übergewicht, Stoffwechselstörungen und Bluthochdruck aus. „Es wird auch angenommen, dass eine glutenfreie Ernährung bei Zöliakiepatienten die Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen beeinflusst“, erklärt Lumesberger.

Maßgeschneidert

Durch eine maßgeschneiderte Diät und indem man immer wieder den Ernährungsstatus überprüft, könne man die Risiken für Zöliakiepatienten aber gering halten. Damit sei gewährleistbar, dass ihre Ernährung ausgewogen ist und alle nötigen Nährstoffe ausreichend darin vorhanden sind. Wenn sich gesunde Personen ohne medizinische Indikation glutenfrei ernähren, äßen sie in der Regel weniger Vollkornprodukte und somit auch weniger Ballaststoffe, berichtet die Expertin. Sie würden dann vermehrt zu natürlicherweise glutenfreien Lebensmitteln wie Fleisch und Milchprodukten greifen, was ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhe.

Diätfehler vermeiden

Eine glutenfreie Ernährung sei demnach für die allgemeine Bevölkerung nicht zu empfehlen. „Für Zöliakiepatienten ist und bleibt sie aber eine sichere und die einzig sinnvolle Therapieform“, sagt sie. Um Diätfehler und somit Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollten diese aber ausreichend über eine ausgewogene glutenfreie Ernährung informiert werden.

„Für Zöliakiepatienten ist sie eine sichere und die einzig sinnvolle Therapieform.“