Hilfe zur Selbsthilfe

Gesund / 07.02.2020 • 10:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heike Kranz hat nach vielen Jahren des Zweifelns gelernt, mit ihren persönlichen Besonderheiten umzugehen und gibt ihre Erfahrungen weiter. Kranz
Heike Kranz hat nach vielen Jahren des Zweifelns gelernt, mit ihren persönlichen Besonderheiten umzugehen und gibt ihre Erfahrungen weiter. Kranz

Bewältigungsstrategien im Umgang mit psychischen Erkrankungen.

RANKWEIL „Ich habe mir lange gedacht, ich bin eine Außerirdische, weil ich mich so anders wahrgenommen habe, als dies mein Umfeld tat. Das war sehr verstörend. Seit meinem zwanzigsten Lebensjahr habe ich unterschiedlichste Therapien gemacht, doch es blieb stets das unklare Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt“, erzählt Heike Kranz. Als sie dann vor fünf Jahren die Diagnose Borderline und PTBS, das ist eine Posttraumatische Belastungsstörung, erhielt, veränderte dies ihr Leben schlagartig. „Ich hatte einen konkreten Ansatzpunkt und konnte mich intensiv mit meinen Krankheitsbildern auseinandersetzen“, erklärt die Rankweilerin. Dies tat sie sowohl auf intellektueller als auch therapeutischer Ebene. Mittlerweile gibt Kranz ihre Bewältigungsstrategien bei psychischen Erkrankungen als Peerberaterin weiter.

Positive Veränderung

Durch das Lesen von Sachbüchern wurde ihr bewusst, dass sie mit ihrer Diagnose nicht allein ist. Sehr geholfen haben ihr Einzel- und Gruppentherapien: „Ich habe an einer dialektisch-behavioralen Therapie teilgenommen. Diese spezielle Therapieform stammt aus den USA und ist bei uns noch nicht so verbreitet. Dabei steht die Bewältigung des Alltags im Vordergrund. Es geht um ein lebenswertes Leben im Hier und Jetzt.“ Die Therapie zeigte rasch Wirkung, auch ihr Umfeld nahm dies war, vor allem ihre beiden Kinder bemerkten die positive Veränderung. „Es war erleichternd, ich hatte ein Verständnis für das, was mit mir los war, entwickelt und konnte dies auch kommunizieren. Meine Kinder und ich hatten es zwar immer harmonisch miteinander, aber von da ab gestaltete sich unser Familienleben noch schöner“, erinnert sich Heike Kranz.

Tatkräftig wollte sie ihre Erfahrungen auch an andere Betroffene weitergeben. So beteiligte sie sich ehrenamtlich an den Skills-Gruppen, die im Landeskrankenhaus Rankweil regelmäßig angeboten werden. Als Peerberaterin kann sie aus ihrem eigenen Erfahrungshintergrund sprechen und wirkt dadurch sehr authentisch: „Ich habe eine Vorbildfunktion, denn ich stand vor denselben Problemen und Fragen. Es geht mir grundsätzlich darum, den Recovery-Gedanken zu vermitteln: Ich bin krank, aber nicht ein Leben lang – leben mit der Krankheit, aber sich nicht durch die Krankheit bestimmen lassen.“

Zeitmanagement

Mittlerweile sieht die engagierte Gesundheitsberaterin auch positive Aspekte in ihrer Krankheit: „Nicht nur meine Gefühlswelt ist intensiver als bei anderen Menschen, auch meine Fähigkeit, eigene Ziele umzusetzen, verfolge ich mit derselben Intensität. Das kommt mir in vielen Bereichen zugute.“ Auch für ihre Tätigkeit als Peerberaterin wollte sie eine fundierte Grundlage schaffen. Sie entschied sich deshalb im vergangenen Jahr für die Ausbildung mit dem Titel „Experten aus eigener Erfahrung“. Seit Ende 2018 ist sie zudem bei der Aqua Mühle in Frastanz angestellt, wo sie ebenfalls als Peerberaterin Skillsgruppen leitet. Diese Funktion übt sie als einzige in ganz Österreich aus. Heike Kranz möchte aber noch etwas, nämlich ein Buch über ihre Erfahrungen schreiben. Nur hat sie neben allen ihren Tätigkeitsbereichen kaum Zeit dafür. Doch in Zukunft will sie auch an ihrem eigenen Zeitmanagement arbeiten. BI

Zur Person

Heike Kranz

Geboren 30. Dezember 1973

Wohnort Rankweil

Laufbahn Handelsschule, WIFI-Trainerdiplom, verschiedene Kurse, Berufsreifeprüfung, Peerberaterin
Hobbys Eisschwimmen, Konzerte, Garten, Lesen (vor allem Sachbücher)
Familie Töchter Stefanie und Christina