Umstrittene Coronastudie mit ersten Ergebnissen

Gesund / 04.02.2022 • 11:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jacob Hopkins ließ sich absichtlich infizieren. Jacob Hopkins/dpa
Jacob Hopkins ließ sich absichtlich infizieren. Jacob Hopkins/dpa

London Jacob Hopkins aus Birmingham fängt an zu strahlen, als er erzählt, wie er im Vorjahr von Forschern des Imperial College in London gezielt mit Corona infiziert wurde: Kopf in den Nacken, dann habe ihm eine vollständig vermummte Person eine Flüssigkeit in die Nase getröpfelt. „Ich habe mit der Ärztin eingeschlagen, wir waren beide so aufgeregt“, erzählt der 24-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Nun, knapp ein Jahr später, liegen die ersten Ergebnisse des umstrittenen Forschungsprojekts vor.

Das zentrale Ergebnis der sogenannten Human-Challenge-Studie: Die Inkubationsphase des Virus soll den Forschern zufolge deutlich kürzer sein als zuvor angenommen, im Schnitt traten schon 42 Stunden nach der Ansteckung bei den Teilnehmern Symptome auf. Allerdings: Die Ergebnisse beziehen sich weder auf Omikron noch auf Delta, sondern auf den Wildtyp des Coronavirus.

30 Erwachsene

Die Forscher träufelten gut 30 jungen, gesunden Erwachsenen, die zuvor weder geimpft waren noch eine Infektion hinter sich hatten, eine niedrige Dosis ein. 16, also gut die Hälfte davon, infizierten sich. So auch Jacob Hopkins, der in den ersten Tagen noch nicht viel merkte, aber dann doch Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Grippesymptome bekam. Rund drei Wochen verbrachte er in einem hermetisch abgeriegelten Raum, rund um die Uhr überwacht und immer wieder getestet. Eigentlich habe er in der Zeit eine Sprache lernen wollen, erzählt Hopkins. Doch die Untersuchungen und Tests hätten dann doch viel Zeit gekostet. Hopkins ist keiner, der Covid-19 verharmlost. „Ich weiß, wie viel Schaden das angerichtet hat“, sagt er. Gerade deshalb wolle er helfen.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass der Großteil der ausgeschiedenen Viruslast aus den Nasen der Probanden statt aus dem Rachen kam, wo diese schwächer ausfiel und schneller wieder abnahm. Die britischen Forscher leiten daraus ab, wie wichtig es ist, Masken auch über der Nase zu tragen. Derzeit bereitet das Team eine weitere Runde vor, bei der Freiwillige mit der Deltavariante infiziert werden sollen. Ziel ist es, dabei auch Durchbruchsinfektionen herbeizuführen. Hopkins könnte sich vorstellen, sich wieder infizieren zu lassen.