Diebstahlopfer fuhr Täter zur Polizei – Prozess für “Autoschnaller”

Gewalt und Verbrechen / 21.06.2026 • 12:57 Uhr
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Der 22-Jährige ging seinem Opfer auf den Leim.Christiane Eckert

Bulgare erkannte den “Hinterhalt” nicht, bis die Beamten vor ihm standen.

Feldkirch Im Mai 2024 “schnallte” der heute 22-Jährige zum ersten Mal mehrere Autos in Bregenz. Das heißt, er kontrollierte, welche Wagen unversperrt waren, und sah nach, ob es in den Fahrzeugen etwas Brauchbares gab. Dann war der Mann, der in seiner Heimat offenbar als Bodenleger arbeitete, zwei Jahre “weg”. Er hielt sich in Bulgarien auf, ehe er im April dieses Jahres wieder nach Vorarlberg kam, um zu stehlen.

Zusätzlicher Ärger

Gewohnt hat der junge Mann allerdings in der Schweiz. Dort war er arbeitslos und lebte von seiner Mutter. Und wieder versuchte er sein “Glück” bei unversperrten Autos. Und auch dieses Mal wurde er wieder fündig. In Summe fand er bei seinen Taten in insgesamt acht Autos in Bregenz und Höchst rund 2000 Euro. Zum Teil nahm er Kleidung oder andere Gegenstände mit, mit denen er etwas anfangen konnte. Am liebsten war ihm natürlich Geld.

Was für den Dieb nur unnötiger Ballast und wertlos war, warf er einfach weg. Dazu gehörten Führerscheine, Ausweise, diverse Kunden- und Kreditkarten. Für die Opfer bringt das allerdings eine Menge Umstände und zusätzliche Kosten. Karten müssen gesperrt und neu beantragt werden. Persönliche Dokumente müssen neu ausgestellt werden.

Mit List geschnappt

Überführt wurde der Bulgare durch einen Zufall und eine List: Beobachter fanden vor einem Tenniscenter Unterlagen eines Bekannten. Sie riefen ihn an, und er ging rasch zu seinem Auto. Dort stand der Bulgare unschlüssig herum. Der 52-Jährige fragte freundlich, ob er den Bulgaren mitnehmen, ihn irgendwo absetzen könne. Der Bulgare stimmte zu und stieg ein. In Wirklichkeit fuhr der Fahrer zum nächsten Polizeiposten und zeigte den Jungen an. Der Mitgenommene war der Meinung, sein Chauffeur müsse nur kurz etwas erledigen. Währenddessen machte sich der Wartende schon wieder im Wagen des Mannes auf die Suche und erbeutete 330 Euro. Dann war endgültig Schluss mit krummen Touren, er wurde verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Der junge Mann blieb in U-Haft, damit er nicht wieder nach Osteuropa verschwinden konnte.

Haftstrafe in U-Haft abgebüßt

Im Prozess vor dem Landesgericht zeigt er sich geständig. “Er möchte sein Leben nun wieder in den Griff bekommen”, plädiert Verteidigerin Emelle Eglenceoglu für ein mildes Urteil. In einem Punkt eines Diebstahls bei seinem Wohnungsgenossen ergeht ein Freispruch. Ansonsten gibt es eine teilbedingte Strafe. Für das “Autoschnallen” gibt es in Summe neun Monate Haft, drei davon sind unbedingt. Weil er allerdings schon eine Weile in U-Haft sitzt und zuvor noch nie im Gefängnis war, wird er sofort nach dem rechtskräftigen Urteil entlassen.

Ob er nun einen ehrlichen Weg einschlägt, wird man sehen. Seine Mutter holt ihn jedenfalls aus dem Gefängnis ab.