Die Lourdes-Kapelle in Raggal-Plazera

Das kleine Gotteshaus wurde in den 1890er-Jahren komplett umgestaltet.
raggal In der Raggaler Parzelle Plazera befindet sich in einer kleinen Ebene unmittelbar an der Raggalerstraße eine kleine Kapelle, die wohl wie so manch andere im Großen Walsertal auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Allerdings gibt es keinerlei historische Aufzeichnungen, wann das kleine Kirchlein hier errichtet worden ist. Aber nicht nur die genaue Zeit der Erbauung, von der heutigen Form her wohl im 18. Jahrhundert, muss ungeklärt bleiben, auch aus den Jahrzehnten danach sind nur wenige Informationen erhalten geblieben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es immerhin eine Erwähnung der Kapelle in Plazera in den Quellen, als während der bayerischen Fremdherrschaft die Säkularisierung des kleinen Gotteshauses im Raum stand. Daher einigten sich einige Vertreter der Parzelle mit der Gerichtsvorstehung der Gemeinde Raggal, das vorhandene Vermögen der Kapelle für die Renovierung des Turms der Pfarrkirche sowie die dort angebrachten Glocken zu verwenden. Der dazu nötige Schenkungsvertrag wurde vom Officium in Chur bewilligt.
In der Folge wird die Kapelle wieder über Jahrzehnte in keinerlei Quellen erwähnt. Dass Bittgänge von Raggal und Marul nach Plazera geführt wurden, kann jedoch als Hinweis auf eine längere Tradition des kleinen Kirchleins erachtet werden. Die nächste Erwähnung erfolgt dann erst gegen Ende des Jahrhunderts, und zwar im Zusammenhang mit einer kompletten Umgestaltung. Die wohl schon zuvor der Muttergottes geweihte Kapelle wird bis in die Mitte der 1890er-Jahre auf Betreiben des Raggaler Pfarrers Johann Josef Längle zu einer Lourdes-Kapelle umgestaltet, wie das damals in vielen ähnlich gelagerten Situationen auch der Fall war, etwa bei der Kapelle neben dem damaligen Kapuzinerkloster in Bludenz. Damit wird einem Trend Rechnung getragen, denn die Legende der Hl. Bernadette, der an der Grotte im südfranzösischen Lourdes die Muttergottes erschienen sein soll, erfreute sich damals großer Beliebtheit. Seit damals durften in der Kapelle mit bischöflicher Erlaubnis auch Gottesdienste abgehalten werden, allerdings zunächst nur auf sieben Jahre und nicht an Sonn- und Feiertagen.
Die Kapelle hat einen rechteckigen Grundriss, die fünf Bankreihen links und rechts bieten etwa 30 Personen Platz. Über dem südseitigen Eingang befindet sich in einer kleinen Nische eine Statue des Hl. Josef aus dem 20. Jahrhundert. Im Norden des von zwei Fenstern an jeder Längsseite erhellten Kirchenschiffs schließt der Altarraum an, der eben 1895 als Lourdes-Grotte gestaltet wurde. Noch aus dem Vorgängerkirchlein dürfte der Kreuzweg stammen.
Auf dem First des geschindelten Satteldachs brachte man ein relativ großes Türmchen an, das von einem ebenfalls geschindelten, achteckigen und spitz zulaufenden Dächlein nach oben abgeschlossen wird. Im Türmchen befinden sich eine bereits 1897 aufgezogene Glocke, die noch aus der Zeit der Renovierung stammt; eine zweite wurde später angebracht. Obwohl sie 1942 abgenommen und ins Sammellager nach Bürs gebracht werden mussten, konnte das Einschmelzen verhindert werden und sie wurden daher gleich nach dem Krieg wieder zurückgeholt.
Noch Mitte des 20. Jahrhunderts gab es im Kirchlein für die Kinder der inzwischen aufgelassenen Volksschule Litze eine wöchentliche Schülermesse. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Lourdes-Kapelle kam es zu einer umfassenden Renovierung, an der die Bewohner der Parzelle Plazera selbst Hand anlegten bzw. die sie mit finanziellen Mitteln ermöglichten. OS