Alles ist leicht – oder doch nicht?

Die Ausstellung “Everything is easy” hinterfragt einfache Bilder der Wirklichkeit.
Bludenz “Es ist so schön, dass heute so viele zu dieser wirklich spannenden Ausstellung gekommen sind”, sagte Wolfgang Maurer, Obmann des Kulturvereins allerArt, anlässlich der Vernissage der Ausstellung “Everything is easy” von Mari Iwamoto am vergangenen Donnerstag. Die Künstlerin ist in Tokio geboren, studierte dort zuerst am Hiko Mizuno College of Jewelry und schloss ihr Studium sodann an der Akademie der Bildenden Künste in München ab. Christine Lederer, die derzeit mit viel Expertise und Feingefühl die Ausstellungen im Kunstraum Remise kuratiert, studierte ebenfalls in München. Es gelang ihr, Mari Iwamoto für die aktuelle, sehr spannende Ausstellung in Bludenz zu gewinnen.

Gesellschaftskritischer Ansatz
Mari Iwamoto macht Kunst über die großen Themen wie Zeit, Leben, Erinnerungen und Politik. Dabei arbeitet sie oft mit Pflanzen, Samen, Erde oder Büchern. Diese Materialien benutzt sie, um zu zeigen, wie sie die Welt fühlt und sieht. Dabei arbeitet sie sehr genau und sehr sensibel. Ihre Werke erzeugen im schlichten, hellen Kubus des Ausstellungsraums eine ganz besondere Wirkung. Es sind sechs höchst unterschiedliche Installationen zu sehen. In einem Hauptwerk, “Zivilisten”, stehen drei Playmobil-Figuren im Mittelpunkt. Mari Iwamoto hat ihnen Maiskörner in den Kopf gesetzt. Die Figuren haben eigentlich einen hohlen Kopf. Diesen Hohlraum hat sie mit Popcorn befüllt. “Popcorn entsteht durch Hitze, kleine Körper blähen sich auf und werden groß. Auf diese Weise wird aus etwas Kleinem plötzlich etwas, das viel Platz einnimmt”, sagte Christine Lederer. Die Figuren tragen außerdem Müllsäcke, die mit Maiskörnern gefüllt sind. “Es war für mich ein kontemplativer Prozess, beim Abfüllen der Säcke mitzuhelfen. Es brachte mir Maris Ansatz, die akribische Arbeit selber in den Mittelpunkt zu stellen, näher.” Die Müllsäcke sind jedoch nicht nur Dekoration, sie zeigen vielmehr auf, wie Macht funktioniert. “Wenn Medien und Öffentlichkeit stark hinschauen, wird vieles schnell zur Show. Dann zählen oft Rollen, ein Publikum und eine dramatische Geschichte mehr als das eigentliche Thema. Dieses Werk zeigt auch, wie schnell in einfache, glatte Bilder gerutscht werden kann und diese Bilder können Kritik leiser machen”, führte Christine Lederer weiter aus.

Tiefgründige Themen
In einem anderen Werk geht es um das Thema Arbeit. Sinnbildlich dafür hat Mari Iwamoto einen Würfel in rund 600 Stunden aus Paprikasamen erstellt. “Welche Rolle hat Arbeit in unserer Gesellschaft? Das ist eine Frage, die ich mir gestellt habe. In Arbeit steckt Zeit, Energie und auch die Idee von Wachstum”, erläuterte die Künstlerin hierzu. “Spielplatz” als ein weiteres Werk hat eine doppelte Bedeutung. Einerseits bilden die aus Sand und Wasser geformten Kugeln ein beliebtes Spiel von japanischen Kindern ab, an das sich die Künstlerin noch sehr gut erinnern kann, andererseits symbolisieren die Kugeln auch Bomben. Ein unbetiteltes Werk ist ein Wörterbuch, das viele Jahre ungeöffnet blieb. Hierin setzt sich Mari Iwamoto mit der Sprache auseinander. Sie geht der Frage nach, warum Wörter aufhören zu sein und in der Vergessenheit verschwinden, als wären sie nie vorhanden gewesen. Die Künstlerin wundert sich: “Hören Worte, die nie von Mensch zu Mensch weitergegeben wurden, auf zu existieren und verschwinden, als hätten sie nie existiert?” Die Ausstellungsthemen führten bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern zu angeregten Diskussionen. Die Rückmeldungen blieben jedoch eindeutig: eine absolut empfehlenswerte Ausstellung. BI



