Die Städtle-Jugend im Blick

Heimat / 07.08.2026 • 16:43 Uhr
Daniela Beck (Kulturamt), Anna Fitz, Stadtrat Andreas Fritz-Wachter, Stefan Stachniß (Stadtarchiv) und Historiker Christof Thöny im Ausstellungsraum in der Remise.
Daniela Beck (Kulturamt), Anna Fitz, Stadtrat Andreas Fritz-Wachter, Stefan Stachniß (Stadtarchiv) und Historiker Christof Thöny im Ausstellungsraum in der Remise.Gerhard Scopoli

Sommerausstellung verbindet historische Einblicke mit kreativen Beiträgen junger Menschen

Bludenz In der Sommerausstellung der Stadt Bludenz treffen historische Einblicke auf junge Perspektiven der Gegenwart. Wie war es in früheren Jahrzehnten in der Stadt, jung zu sein? Und wie erleben Jugendliche ihre Stadt heute?

Roland Fenkart in der Ausstellung in der Remise.
Roland Fenkart in der Ausstellung in der Remise.Gerhard Scopoli

Das Stadtarchiv darf den Kunstraum einmal jährlich für historische Ausstellungen nutzen. Diesmal wird “ein bisschen Sozialgeschichte” präsentiert. Christof Thöny wuchs im Klostertal auf. Ab der fünften Klasse Gymnasium ging er in Bludenz in die Schule. “Ich kann aus meiner Jugend also viele Erinnerungen an die Stadt Bludenz teilen. Ich bin immer gerne in Bludenz gewesen und ich erinnere mich an Zeiten, aus denen wir auch Videos in der Ausstellung haben, wo es um das Freizeit- und Ausgehverhalten junger Menschen um das Jahr 2000 in der Stadt geht”, erzählt der Fachmann für Geschichtswissenschaft.

In der Sommerausstellung der Stadt Bludenz treffen historische Einblicke auf junge Perspektiven der Gegenwart.
In der Sommerausstellung der Stadt Bludenz treffen historische Einblicke auf junge Perspektiven der Gegenwart. Gerhard Scopoli

Im Mittelalter, in der Neuzeit oder in der Landwirtschaft sei man in die Lebenswelt der Erwachsenen integriert worden, als man arbeiten konnte. Mit der Aufklärung und Industrialisierung sei die Idee einer Art “Schonzeit” zwischen dem Kindsein und dem Erwachsensein entstanden; eine Zeit, in der auch auf die Ausbildung Wert gelegt wird. In maria-theresianischen Zeiten wurde in Österreich die Schulpflicht eingeführt. In der Industrialisierung war die Kinderarbeit sehr verbreitet, aber es gab schon eine Gegenbewegung. Man sagte, Kinder oder Jugendliche sollten nicht nur arbeiten, sondern ihre Zeit auch für die Persönlichkeitsentwicklung verwenden. Bei der Sozialisation spielten Vereine eine Rolle und in der Zwischenkriegszeit die Politik – parteinahe Vereine auf der linken und rechten Seite. Wichtig waren zudem die Religion und Organisationen wie die Pfadfinder. Im Nationalsozialismus war die Jugend in der NS-Ideologie indoktriniert. Der Staat übernahm eigentlich die Erziehungsaufgaben von den Eltern in der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel.

Die Ausstellung wird bis 6. September im Kunstraum Remise gezeigt.
Die Ausstellung wird bis 6. September im Kunstraum Remise gezeigt.Gerhard Scopoli

Im Schuljahr 1939/40 entstand das Gymnasium, zunächst für Buben und in den 1970er-Jahren dann das Bundesschulzentrum. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand etwas, das man als Jugendkultur bezeichnet, vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren international. Die Generation der Heranwachsenden distanziert sich von den Eltern, vor allen Dingen auch wegen nationalsozialistischer Vergangenheit in Deutschland und Österreich, aber auch international: Studentenbewegung, Friedensbewegung, Hippies usw. Ausläufer des Ganzen gibt es auch in Vorarlberg”, so der Historiker.

Im Jahr 1968 wurde anlässlich der Diözesanerhebung ein Protest gegen Bischof Bruno organisiert. Jugendliche rebellierten gegen das verknöcherte Bild von Kirche. In Bludenz entstand eine Jugendhausbewegung. Die Gammler vom Postplatz waren ein großes Thema in den Medien. Die Politik musste sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Die Langhaarigen wurden in den Gastwirtschaften in Bludenz nicht bedient. Aus dem heraus entstand der Wunsch nach einem offenen Jugendhaus in Bludenz. Politisch wurde jahrelang darum gerungen. Eröffnet wurde es unter dem Namen Jugendzentrum Munterstein. Anfang der 1980er-Jahre in der ehemaligen Jellerschule, damals war die Handelsschule in der Jellerstraße. Die Geschichte des JUZ ist eine Geschichte des Auf und Ab. Zum Zeitpunkt der Schließung Ende der 1990er-Jahre war der Ruf nicht der allerbeste, aber seit einem Vierteljahrhundert ist die offene Jugendarbeit in Bludenz sehr engagiert.

“Jung sein in Bludenz”, Sommerausstellung der Stadt Bludenz bis 6. September, Mittwoch bis Sonntag 15 bis 18 Uhr.

Gertrud Würbel in der Ausstellung
Gertrud Würbel in der Ausstellung “Jung sein in Bludenz”.Gerhard Scopoli
Stadtrat Andreas Fritz-Wachter (M.) mit weiteren Ausstellungsbesuchern.
Stadtrat Andreas Fritz-Wachter (M.) mit weiteren Ausstellungsbesuchern.Gerhard Scopoli
Gertrud Würbel besichtigte die Ausstellung mit großem Interesse.
Gertrud Würbel besichtigte die Ausstellung mit großem Interesse.Gerhard Scopoli