Kultureller Kern

20.04.2017 • 13:59 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Wolfurt. Der Ortsteil Strohdorf wird zum kulturellen Herzstück der Hofsteiggemeinde. Die Musikschule mit Bücherei ist der jüngste, vielversprechende Nachwuchs im sich formierenden Ensemble. Autor: Tobias Hagleitner | Fotos: Benno Hagleitner

er Architekturwettbewerb vor gut drei Jahren war eingebettet in den von Cukrowicz Nachbaur Architekten erstellten Masterplan zur Quartiersentwicklung. Das belebte Areal mit den bereits vorhandenen öffentlichen Bauten (Cubus, Mittelschule, Gemeindeamt) sollte durch passende Ergänzungen als zusammenhängende Quartiersmitte erlebbar werden, sich nach und nach zum Kultur- und Bildungscampus der Gemeinde entwickeln. Der Musikschule ist eine entscheidende ortsräumliche Stellung in dem neuen Gefüge zugedacht. Im Kreuzungsbereich der Schulstraße mit dem Sternenplatz bildet das Haus den prominenten Platzabschluss und dient als Drehgelenk zum historischen Dorfkern um die Kirche. Fink Thurnher Architekten haben die vorgesehene Rolle im Ortskonzept gut verstanden und eine gelungene Interpretation vorgelegt. Da das Musik- und Lesehaus einen wichtigen Part im Arrangement spielt, ist sein Auftritt entsprechend prominent und selbstbewusst. Zugleich ist es aber sehr darauf bedacht, sich in die Komposition einzuweben, sie mitzutragen. Seine Architektur ist wie ein kräftiger, klarer Grundakkord für das entstehende Gesamtwerk im Strohdorf.

Teamplay und Gemeinsamkeit sind auch Musikschuldirektor André Meusburger ein Anliegen. Kinder und Jugendliche sollen gemeinsam musizieren, Verantwortung füreinander übernehmen und zusammen Projekte entwickeln können. Mit dem Neubau sind dafür nun die besten Voraussetzungen geschaffen. Bislang war das Lehrangebot auf verschiedene Standorte verteilt, zum Teil in ungeeigneten Räumlichkeiten. „Jetzt ist alles sehr kommunikativ,“ freut sich der Flötist und Schulleiter, „wir haben alles unter einem Dach. Das wirkt sich sehr positiv aus.“ Überzeugend gelungen und für kommunales Bauen vorbildlich ist die Mehrfachnutzung des Gebäudes, das mit der Bücherei und Spielothek im Erdgeschoß das kulturelle Angebot am Ort verdichtet. Damit werden Synergien genutzt, Anfahrtswege, Kosten und Ressourcen gespart. Nicht wenige werden die Gelegenheit nutzen, sich vor oder nach dem Unterricht mit Büchern einzudecken oder die Wartezeit auf den Bus oder das musizierende Kind mit Lektüre oder Spielen zu verbringen.

Es sind aber nicht die Funktionen allein, die ein Haus zum Anziehungspunkt machen. Wesentlichen Anteil daran, wie intensiv und gerne es genutzt wird, hat die Qualität seiner Gestaltung. Und die ist bei der Musikschule am Hofsteig sehr hoch. Fink Thurnher haben eine architektonische Einladung formuliert. Das Erdgeschoß öffnet sich nach allen vier Seiten. Glasflächen, Rücksprünge und Nischen wirken wie freundliche Gesten in die Umgebung. Der Einschnitt im Norden bietet ein ansprechendes Entrée Richtung Sternenplatz. Zur stark befahrenen Schulstraße, die im Rahmen des Masterplans als Begegnungszone „Hofsteig-Ader“ ebenfalls neu konzipiert worden war, ergibt sich eine geschützte Bushaltestelle. Im Süden und Osten verbinden Loggien die Bibliothek mit der von Markus Cukrowicz fein gestalteten Gartenfläche, die im Lauf der Jahre und mit dem Wuchs der Bäume an Attraktivität noch gewinnen wird.

Innen setzt sich die Mischung aus klarer Struktur und fließender Raumfolge fort. Ein Luftraum verbindet die drei Musikschulgeschoße zum vertikalen Foyer, das spannende Blickbeziehungen quer durch die Etagen bietet. Der leise Restschall aus den Zimmern mischt sich zum freundlichen Hausklang. Neben den 15 Unterrichtsräumen gibt es ausreichend Platz für die Arbeit in Workshop und Ensemble, für Verwaltung und Lehrpersonal. Dass das Gebäude nicht selbstbezüglich ist, sondern etwas mit der Gemeinde, mit der Umgebung zu tun haben will, zeigt sich auch an den Fenstern. Sie bieten nicht nur Licht und Sicht für innen, mit ihren breiten Messingrahmen sind die Glasflächen zugleich Schaukästen für draußen. Das ist Architektur, die das gemeinsame Tun motiviert und fördert, kultivierte Gestaltung, die die Menschen einlädt und am Geschehen teilhaben lässt. So soll öffentliches Bauen sein.

Wir haben jetzt alles in einem Haus. Und es sind ideale Räume für Musik. Das sind perfekte Arbeitsbedingungen.

Markus Thurnher (links) und André Meusburger sind glücklich mit dem Haus, das seit Herbst in Betrieb ist. Der Architekt schätzte Gemeinde und Direktor als Bauherrschaft auf Augenhöhe.

Markus Thurnher (links) und André Meusburger sind glücklich mit dem Haus, das seit Herbst in Betrieb ist. Der Architekt schätzte Gemeinde und Direktor als Bauherrschaft auf Augenhöhe.

Wer das Haus betritt, findet sich in einem schlichten, übersichtlich organisierten Entrée. Von hier geht’s weiter in Bücherei und Spielothek oder in die Musikschule ...

Wer das Haus betritt, findet sich in einem schlichten, übersichtlich organisierten Entrée. Von hier geht’s weiter in Bücherei und Spielothek oder in die Musikschule …

In der Bücherei: Indirektes Licht, schlichte, praktische Möblierung und die Beziehung zum Außenraum sorgen für Schmökerstimmung.

In der Bücherei:
Indirektes Licht, schlichte, praktische Möblierung
und die Beziehung zum Außenraum sorgen für Schmökerstimmung.

... die sich über drei Geschoße nach oben entwickelt. Ein lichter Luftraum verbindet die Erschließungsflächen zum gemeinsamen Foyer.

… die sich über drei
Geschoße nach oben
entwickelt. Ein lichter
Luftraum verbindet die Erschließungsflächen zum gemeinsamen Foyer.

Sichtbeton und Eiche sind die bestimmenden Materialien. Das Himmelslicht der Dachfenster gibt dem Raum aufregende Tiefe. Kleine Brücken führen in die Unterrichtsräume.

Sichtbeton und Eiche
sind die bestimmenden Materialien. Das Himmelslicht der Dachfenster gibt dem Raum aufregende Tiefe. Kleine Brücken führen in
die Unterrichtsräume.

Fast wie ein Innenraum ist die Wartenische für den Bus gelungen. Die Anzeigetafel wurde nebst offenem Bücherschrank ins Design integriert.

Fast wie ein Innenraum
ist die Wartenische für
den Bus gelungen. Die Anzeigetafel wurde nebst offenem Bücherschrank
ins Design integriert.

Hier sorgt ein variabler Filzvorhang für die passenden akustischen Verhältnisse. Auch Möbel und Decke aus Holz funktionieren als Absorber.

Hier sorgt ein variabler Filzvorhang für die passenden akustischen Verhältnisse. Auch Möbel und Decke aus Holz funktionieren als Absorber.

Der Ensembleraum ist einer von zwei großen Sälen. Hier findet alles statt, was viel Platz braucht, von der Konferenz über die Musicalprobe bis zum Vorspielabend.

Der Ensembleraum ist einer von zwei großen Sälen. Hier findet alles statt,
was viel Platz braucht,
von der Konferenz über
die Musicalprobe bis zum Vorspielabend.

Messing. Die fünfzehn messinggerahmten Fensterquadrate an der Westfassade gewähren Einblick und Ausblick für die Unterrichtsräume der Musikschule. Das Material ist aus dem Instrumentenbau bekannt.

Messing. Die fünfzehn messinggerahmten Fensterquadrate an der Westfassade gewähren Einblick und Ausblick für die Unterrichtsräume der Musikschule. Das Material ist aus dem Instrumentenbau bekannt.

Klinker. In Vorarlberg ein selten gesehenes Material, geben die Langformatziegel dem Haus sandfarbene Natürlichkeit und städtischen Charakter. Im ersten Stock liegen Richtung Garten die Säle für Ensemble und Tanz.

Klinker. In Vorarlberg ein selten gesehenes Material,
geben die Langformatziegel dem Haus sandfarbene
Natürlichkeit und städtischen Charakter. Im ersten Stock liegen Richtung Garten die Säle für Ensemble und Tanz.

Glas. Die großflächigen Fenster im Erdgeschoß bieten optimale Lichtverhältnisse für den Buch- und Spielverleih der Gemeinde. Das attraktive Angebot ist außen deutlich sichtbar. Im Sommer wird der Garten gerne mitgenutzt werden.

Glas. Die großflächigen Fenster im Erdgeschoß bieten optimale Lichtverhältnisse für den Buch- und Spielverleih der Gemeinde. Das attraktive Angebot ist außen deutlich sichtbar. Im Sommer wird der Garten gerne mitgenutzt werden.