Eine in jeder Weise angemessene Architektur

03.05.2018 • 14:26 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Zwei Geschwister, von denen das kleinere eindeutig den Ton angibt:
Rainer Köberls Bauten für die BTV in Dornbirn. Das eigentliche Bankgebäude
steht direkt an einer der meistbefahrenen Kreuzungen, vom zweiten
getrennt durch einen Platz, der eigentlich – noch – eine Straße ist.

Dass der Bank für Tirol und Vorarlberg die Hebung der lokalen Baukultur ein wichtiges Anliegen ist bzw. war, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sie sieben Mal – zuletzt 2015 – für Innovationen offene Bauherren aus Tirol und Vorarlberg ausgezeichnet hat. Neubauten eigener Filialen nehmen naturgemäß an diesen Schönheitswettbewerben architektonischer Art nicht teil, an anderen aber sehr wohl. Etwa mit der von Rainer Köberl geplanten BTV-Zweigstelle am Innsbrucker Mitterweg, die 2012 sowohl einen ZV-Bauherrenpreis als auch eine Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen eingeheimst hat.

Wahrscheinlich einer der Gründe, warum die BTV den Innsbrucker Architekten zum Wettbewerb für den Bau ihrer neuen Geschäftsstelle in Dornbirn geladen hat. Den Rainer Köberl (Mitarbeit Richard Weiskopf) bei vier hochkarätigenKonkurrenten einstimmig für sich entscheiden konnte, füge sich sein Entwurf doch „auf äußerst sensible und dialogische Weise in die Bahnhofstraße ein“, so Erich Steinmayr im Namen der Jury. Um diesem Konglomerat unterschiedlichster Stile und Brüche im Maßstäblichen ein anspruchsvolles Stück neuer Architektur hinzuzufügen, die für diesen Ort „angemessen ist“, so der Architekt, der die Auseinandersetzung mit schwierigen Orten mag, die Reibung, die sich daraus ergibt, die Spannung im heterogenen Nebeneinander.

Der Bauplatz für die neue Dornbirner BTV-Filiale ist unzweifelhaft ein solcher Ort. Situiert auf einem bisher unbebauten Grundstück direkt an einer der meistbefahrenen Kreuzungen der Stadt, durch eine Straße von einem zweiten Baukörper getrennt, der anstelle des bisherigen Bankhauses entstanden ist. Ihre äußeren Formen waren durch den Bebauungsplan praktisch vorgegeben, um innen wie außen allerdings komplett anders daherzukommen, ohne ihre enge Verwandtschaft zu leugnen. Stadträumlich besonders exponiert ist der spitz zulaufende Zwickel, auf dem das eigentliche Bankhaus steht. Es ist zwar deutlich kleiner als das Geschäftsgebäude nebenan, in der Hierarchie diesem aber eindeutig überlegen. Den Vorgaben geschuldet, zeigt es der Kreuzung sozusagen die kalte Schulter. Indem diese Front fast komplett geschlossen ist, sich nur im obersten Geschoß als übers Eck verglaste Loggia mit Blick über die Hausdächer hinweg zum Säntis öffnet.

Dem Image der BTV nach Exklusivität und Diskretion geschuldet, befindet sich der in die Kubatur hineingezogene Haupteingang fast versteckt in der zum zweiten Haus hin orientierten Fassade. Gestaltet als über zwei Geschoße offene gläserne Schleuse hin zu einem bis unter das Dach offenen, mit einem kleinen Schalter möblierten Foyer. Nicht zuletzt durch das im Fischgrätmuster verlegte Parkett verbreitet sich hier das Ambiente von gediegener Eleganz. Ein Gefühl, das sich durch das ganze Haus zieht, dessen fünf Etagen durch eine sich vom Foyer nach oben schlängelnde Stiege bzw. offene Galerien miteinander verbunden sind.

Wenige Materialien und Farben genügen: Die Möbel, mit denen Köberl etwa den Selbstbedienungsbereich eingerichtet hat, sind klar und grau, die in den Großraumbüros sind weiß. Des Architekten Faible für edle Haptiken zeigt sich auch in den mit größtenteils von ihm entworfenen Möbeln ausgestatteten Beratungsräumen und im großen Konferenzraum ebenso wie in der kleinen Lounge im vierten Obergeschoß.

Die von der Kreuzung abgewandten Fassaden sind großflächig gläsern aufgelöst, bestückt mit feststehenden Lamellen aus Alu. Die Südseite ist raffiniert durch unterschiedlich große, quadratische und runde Fenster gegliedert. Verputzt ist der Stahlbetonbau weiß, leider nicht mit dem leicht wolkigen Naturkalk, den Rainer Köberl sich gewünscht hätte.

Leider nicht gebaut wird auch die Tonhalle, die das Herz des zweiten, auf einer zweigeschoßigen Tiefgarage stehenden Hauses hätte werden sollen. Von dem erst die Hülle bzw. die durch einen Innenhof und Terrassen gegliederte innere Struktur steht. Der Wunsch der BTV wäre es, dass im Erdgeschoß ein Restaurant einziehen würde, durch dessen Gastgarten die die beiden Häuser trennende Straße wirklich zu so etwas wie einem Platz werden könnte. Denn allein eine Pflasterung schafft das nicht wirklich.

„Das Umgehen mit den vielen Vorgaben hab‘ ich nicht als Belastung empfunden, sondern eine Herausforderung angenommen.“

Eine Stiege verbindet die fünf sich zu Galerien öffnenden Geschoße des Bankhauses. Raffiniert gerahmte Blicke in die heterogene Nachbarschaft inklusive.

Eine Stiege verbindet die fünf sich zu Galerien öffnenden Geschoße des Bankhauses. Raffiniert gerahmte Blicke in die heterogene Nachbarschaft inklusive.

Das über alle fünf Geschoße offene Foyer ist gleichzeitig die Schalterhalle der Dornbirner BTV-Zweigstelle. Der Schalter ist relativ klein, die meisten Bankgeschäfte spielen sich in den oberen Geschoßen ab.

Das über alle fünf Geschoße offene Foyer ist gleichzeitig die Schalterhalle der Dornbirner BTV-Zweigstelle. Der Schalter ist relativ klein, die meisten Bankgeschäfte spielen sich in den oberen Geschoßen ab.

Der Kreuzung zeigt das Bankgebäude die kalte Schulter, während die Südfassade durch ein riesiges und eine Reihe scheinbar frei angeordneter quadratischer sowie eine vertikale Reihe kleiner runder Fenster gegliedert ist.

Der Kreuzung zeigt das Bankgebäude die kalte Schulter, während
die Südfassade durch ein riesiges und eine Reihe scheinbar frei angeordneter quadratischer sowie eine vertikale Reihe kleiner runder Fenster gegliedert ist.

Vom Geschäftshaus sind erst die Hülle bzw. die Tiefgarage fertig. Durch einen „Platz“ getrennt steht es neben seinem „kleinen“ Nachbarn, der allerdings eindeutig die Nr. 1 in der Hierarchie einnimmt.

Vom Geschäftshaus sind erst die Hülle bzw. die Tiefgarage fertig. Durch einen „Platz“ getrennt steht es neben seinem „kleinen“ Nachbarn, der allerdings eindeutig die Nr. 1 in der Hierarchie einnimmt.

Viel Licht bringt ein Innenhof in den noch rohen Baukörper des Geschäftsgebäudes. Das ebenso wie das Bankhaus aus Stahlbeton gebaut und weiß verputzt ist.

Viel Licht bringt ein Innenhof in den noch rohen Baukörper des Geschäftsgebäudes. Das ebenso wie das Bankhaus aus Stahlbeton gebaut und weiß verputzt ist.

Fast so etwas wie Wohnzimmerflair zaubert der edel im Fischgrät-muster verlegte Eichenparkettboden in die Großraumbüros. Sie sind lichtdurchflutet und weiß möbliert.

Fast so etwas wie Wohnzimmerflair zaubert der edel im Fischgrät-
muster verlegte Eichenparkettboden
in die Großraumbüros. Sie sind lichtdurchflutet und weiß möbliert.

Sein Faible für das Gesamtkunstwerkliche konnte Rainer Köberl beim Dornbirner Bankgebäude für die BTV voll und ganz ausleben, sind doch sämtliche Möbel von ihm entworfen oder ausgesucht.

Sein Faible für das Gesamtkunstwerkliche konnte Rainer Köberl beim Dornbirner Bankgebäude für die BTV voll und ganz ausleben, sind doch sämtliche Möbel von ihm entworfen oder ausgesucht.

Entgegen mancher Befürchtungen ist die neue Dornbirner BTV alles andere als ein Betonbunker. Die von der Kreuzung abgewandten Räume sind lichterfüllt, geben teilweise reizvolle Blicke auf Nachbarschaften frei.

Entgegen mancher Befürchtungen ist die neue Dornbirner BTV alles andere als ein Betonbunker. Die von der Kreuzung abgewandten Räume sind lichterfüllt, geben teilweise reizvolle Blicke auf Nachbarschaften frei.

Diskretion ist in den Beratungs-räumen angesagt. Die Wände sind holzverkleidet, Vorhänge schotten neu-gierige Blicke ab, das Mobiliar ist sachlich.

Diskretion ist in den Beratungs-
räumen angesagt. Die Wände sind holzverkleidet, Vorhänge schotten neu-
gierige Blicke ab, das Mobiliar ist sachlich.

Das Warten auf ein Gespräch mit einem Bankberater ist im vierten Obergeschoß luxuriös. Der Tresen ist lederbespannt, die Fauteuils sind von Alvaro Siza entworfen, der Blick ist bis zum Säntis frei.

Das Warten auf ein Gespräch mit einem Bankberater ist im vierten Obergeschoß luxuriös. Der Tresen ist lederbespannt, die Fauteuils sind von Alvaro Siza entworfen, der Blick ist bis zum Säntis frei.