Wohnmöbel mit Schopf

Immo / 18.07.2019 • 13:18 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Dass das Haus von Benedikt Kaufmann ein von seinem Vater Hermann
geplantes Holzhaus werden wird, war keine Frage.
Gebaut mit viel Eigenleistung auf einem
von der Gemeinde Lingenau geförderten Grund.

Benedikt Kaufmann ist zwar ein Spross der legendären Bregenzerwälder Dynastie der aus Holz bauenden oder in Holz entwerfenden Kaufmanns, er selbst ist allerdings Lehrer. Dass er sich das Haus, das er in Lingenau für sich, seine Frau und ihre zwei Buben gebaut hat, von seinem Architektenvater Hermann Kaufmann hat entwerfen lassen, war keine Frage. Gebaut auf einem von der Gemeinde zu leistbarem Bauland umgewidmeten landwirtschaftlichen Grund, der für zehn junge Familien reserviert ist.

Die Entscheidung, nach Lingenau zu ziehen, sei exakt die richtige gewesen, sagt der in Wolfurt aufgewachsene Benedikt Kaufmann. Nicht zuletzt auch deshalb, weil seine Frau Elisabeth in der unmittelbaren Nachbarschaft aufgewachsen ist. Dass das Haus ein aus Holz bebautes werden wird, war von Planungsbeginn an klar. Kenne er doch nichts anderes, sagt der selbst in einem Holzhaus aufgewachsene junge Bauherr. Errichtet wurde der auf einem betonierten Sockel stehende Baukörper in nur vier Tagen zum größten Teil aus in der Firma des Onkels vorgefertigten, perfekt hinterlüfteten und ökologisch einwandfrei gedämmten Elementen. Um letztlich wie ein riesiges Möbel zum Bewohnen daherzukommen. So überzeugend aus einem Guss erscheint das aus der abfallenden Topografie heraus entwickelte Haus.

Bei dessen Realisierung die ganze Familie mitgeholfen hat, in der es praktischerweise Gewerke fast jeder Sparte gibt. Den Boden hat Benedikt Kaufmann selbst gelegt und auch das Satteldach hat er mit schwarzen Tonziegeln gedeckt, die Decken und Wände eigenhändig getäfelt. Mit einem Ergebnis, mit dem sogar Elisabeth Kaufmanns Vater, seines Zeichens Tischler und Stiegenbauer, zufrieden ist. Allerdings nur durch das hohe Maß an Eigenleistung sei das Haus für ihn und seine Frau, die ebenfalls Lehrerin ist, finanziell zu stemmen gewesen, sagt der junge Familienvater.

Bequeme, auf zwei Ebenen ausgebreitete 148 Quadratmeter Wohnfläche sind auf diese Weise entstanden. Erschlossen von der oberen aus, in der gewohnt, während in der unteren geschlafen wird. Der rund 50 Quadratmeter große Wohnraum ist klar zoniert in Bereiche, in denen gekocht, an einem großen Tisch samt Eckbank gegessen wird oder neben Bücherregalen eine bequeme Sitzlandschaft steht. Als Raumteiler fungiert ein aus hellen Schamottsteinen gebauter Ofen, der mit Holz beheizt wird. Er liefert per Wärmetauscher die gesamte Energie, die zum Beheizen der Fußböden wie auch des Brauchwassers benötigt wird. Eine kleine Solaranlage gleicht eventuelle Defizite aus.

Vom Wohnzimmer aus geht es auf eine große, mit Holz beplankte Südterrasse, die der einzige ebene Platz im Außenraum ist, möglich gemacht durch eine parallel zum Hang gestellte Stützmauer aus Beton. Durchlässig wird das Haus durch große, raumhohe oder zu langen Bändern zusammengefasste Fenster, deren einzige Barriere zum Außen Richtung Süden ein außenliegender Sonnen- bzw. Sichtschutz ist.

Die Konstruktion des Hauses ist ebenso einfach wie im Detail auf selbstverständliche Weise raffiniert. Stauräume werden zu unsichtbaren Teilen der hölzernen Wände, aus denen die Möbel wie differenzierte Organe herauszuwachsen scheinen. Um ein Allzuviel an Weißtanne zu vermeiden, ist die Küche weiß mit einer Arbeitsplatte aus Edelstahl. Neben einem Gäste-WC, einer Garderobe und einem Wirtschaftsraum gibt es auf dieser Ebene noch ein kleines Büro. Über eine Stiege geht es hinunter zu den zwei Kinderzimmern und dem Schlafzimmer mit jeweils direktem Ausgang ins Freie. Verschließbar durch fein vertikal geschlitzte Schiebeläden. Im Bad liegt ein Holzboden, statt Fliesen gibt es weiße Kunstharzplatten.

Außen ist das Haus von Elisabeth und Benedikt Kaufmann mit vertikal sich überlappenden Fichtenlatten verschalt. Nicht fehlen darf auch in einem neuen Bregenzerwälderhaus offensichtlich ein in die Kubatur hineingezogener Schopf für die wettersichere Lagerung des Holzes. Einen Carport gibt es bis jetzt nicht, ein solcher ist allerdings in Planung.

„Ohne ein hohes Maß an Eigenleistung wäre das Haus für uns finanziell nicht zu stemmen gewesen.“

Die das obere Geschoß, in dem gewohnt, mit dem, in dem geschlafen wird, verbindende Stiege wird durch ein hohes, schmales Fenster belichtet.

Die das obere Geschoß, in dem gewohnt, mit dem, in dem geschlafen wird, verbindende Stiege wird durch ein hohes, schmales Fenster belichtet.

Cornelius und Jonathan teilen sich derzeit noch ein Schlaf- und ein Spielzimmer. Die Binnenwände sind in Leichtbauweise errichtet und weiß, die Außenwände, Böden und Decken aus Holz.

Cornelius und Jonathan teilen sich derzeit noch ein Schlaf- und ein Spielzimmer. Die Binnenwände sind in Leichtbauweise errichtet und weiß, die Außenwände, Böden und Decken aus Holz.

Das Haus von Elisabeth und Benedikt Kaufmann steht auf einem rund 700 m² großen, abfallenden Grund. Alle erdberührenden Teile sind betoniert, der Rest ist aus größtenteils vorgefertigten Holzelementen gebaut.

Das Haus von Elisabeth und Benedikt Kaufmann steht auf einem rund 700 m² großen, abfallenden Grund. Alle erdberührenden Teile sind betoniert, der Rest ist aus größtenteils vorgefertigten Holzelementen gebaut.

Was wäre ein Bregenzerwälderhaus, auch ein ganz neues, ohne Schopf. Hier wird ein Teil des Holzes gelagert, mit dem das Haus beheizt wird, hier werden aber auch die Räder abgestellt, solange es einen Carport noch nicht gibt.

Was wäre ein Bregenzerwälderhaus, auch ein ganz neues, ohne Schopf. Hier wird ein Teil des Holzes gelagert, mit dem das Haus beheizt wird, hier werden aber auch die Räder abgestellt, solange es einen Carport noch nicht gibt.

Die fast quadratische, mit Holz beplankte Terrasse ist die einzige ebene Fläche im Außenraum des Lingenauer Hauses Kaufmann. Die komplett unverstellte Rundumsicht von hier aus ist selbst bei Regen großartig.

Die fast quadratische, mit Holz beplankte Terrasse ist die einzige ebene Fläche im Außenraum des Lingenauer Hauses Kaufmann. Die komplett unverstellte Rundumsicht von hier aus ist selbst bei Regen großartig.

Das obere Geschoß wird fast zur Gänze von dem in unterschiedliche Zonen gegliederten Wohnraum eingenommen. Als Raumteiler fungiert ein großer Ofen, mit dem das ganze Haus beheizt wird.

Das obere Geschoß wird fast zur Gänze von dem in unterschiedliche Zonen gegliederten Wohnraum eingenommen. Als Raumteiler fungiert ein großer Ofen, mit dem das ganze Haus beheizt wird.

Riesige Fenster lassen innen und außen fast nahtlos ineinander übergehen. Einzige Barriere Richtung Süden bildet ein außenliegender Sonnen- bzw. Sichtschutz.

Riesige Fenster lassen innen und außen fast nahtlos ineinander übergehen. Einzige Barriere Richtung Süden bildet ein außenliegender Sonnen- bzw. Sichtschutz.

Im Gegensatz zu praktisch sämt-lichen anderen Möbeln ist die Küche weiß, die Arbeitsplatte aus gebürs-tetem Edelstahl. Ein Lichtschlitz bringt Tageslicht in den Raum und offeriert der Köchin/dem Koch reizvolle Ausblicke.

Im Gegensatz zu praktisch sämt-
lichen anderen Möbeln ist die Küche weiß, die Arbeitsplatte aus gebürs-
tetem Edelstahl. Ein Lichtschlitz bringt Tageslicht in den Raum und offeriert der Köchin/dem Koch reizvolle Ausblicke.

Viel Raum zum Spielen und Tollen haben auch indoor Cornelius und sein Bruder Jonathan.

Viel Raum zum Spielen und Tollen haben auch indoor Cornelius und sein Bruder Jonathan.

Obwohl Benedikt Kaufmann in Wolfurt aufgewachsen ist, hat er es nie bereut, nach Lingenau gezogen zu sein. Nicht zuletzt deshalb, weil seine Frau in der unmittelbaren Nachbarschaft aufgewachsen ist.

Obwohl Benedikt Kaufmann
in Wolfurt aufgewachsen ist,
hat er es nie bereut, nach Lingenau gezogen zu sein. Nicht zuletzt deshalb, weil seine Frau in der unmittelbaren Nachbarschaft aufgewachsen ist.