Nah am Berg

Immo / 12.09.2019 • 13:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Mit dem Alpinsportzentrum gelingt Bauherrschaft und Architekt
eine gute Balance aus großer Geste und gefühlvoller
Einbettung ins Orts- und Landschaftsbild.

Beginnend mit einem Wettbewerb im Jahr 2015 war für das Gebäude zunächst ein städtebaulicher Gedanke, das Denken an den Ortsraum und das Ortsbild relevant. Gegenüber ist das markante Hotel Löwen, nebstan ein historisches Bauwerk, unweit
Wohngebiet. Das Alpinsportzentrum funktioniert als „eine Art Scharnier“, wie der Architekt Bernardo Bader ausführt, „das Raumgefäß am Ort in ihrer Bedeutung und Funktion wie auch stadträumlich miteinander in Beziehung setzt und verzahnt.“ Die Verzahnung ist für jeden Ort das entscheidende Moment, wenn ein Neubau die bestehende bauliche Struktur ergänzt. Die Qualität, mit der ein neues Gebäude auf seine Umgebung reagiert, wie es neue Akzente setzt, sich vom Bestand abhebt oder integriert, entscheidet über die qualitative Weiterentwicklung des Ortsbildes. Hier in Schruns ist das nun meisterhaft gelungen.

„Die Hauptfassade zentriert den neu geschaffenen Platzraum und bedient durch ihre präzise Setzung eine angenehme und für den Ort angemessene Gediegenheit.“ Markante, große Fensteröffnungen verleihen der Fassade Lebendigkeit. Die Materialisierung mit Naturstein ebenso, denn das Auge nimmt ganz nebenbei die verschiedenen Texturen und Farben, die sich erst im Detail wirklich zeigen, wahr. „Das ‚Brechen‘ der Fassadenebenen in Teilflächen resultiert aus der Absicht, auf die jeweiligen Bedingungen des Ortes zu reagieren.“ So folgt die Südostseite mit einem leichten Knick dem Verlauf der Silvrettastraße, Öffnungen leiten in Plätze ein, das Gebäude formt sich in den Ort und die umgebende Berglandschaft ein.

Im Erdgeschoß, das schwellenlos mit dem Silvrettaplatz verbunden ist, werden Besucher(innen) von einer
In­fo-Theke und mit einer kleinen Ausstellung begrüßt. Auch ein kleiner Besprechungsraum ist hier noch angegliedert. Es folgen vier Bürogeschoße, die durch drei aussteifende Kerne zoniert sind. In diesen Kernen sind das Treppenhaus mit wunderbarem Steinboden, der Aufzug und die Nasszellen angeordnet.

„Die Materialisierung der Fassade besitzt einen zugleich zeitlosen wie zeichenhaft-
repräsentativen Ausdruck. Hier schaffen Motive wie „aus Stein gehauen“, „der Bergwelt zugehörig“, „echte Massivität“, oder „Handwerklichkeit“ und „Bautradition“ eine vertraute wie griffige Bildhaftigkeit.“ Das Haus selbst ist eine konventionelle Stahlbetonkonstruktion mit Kernen und Geschoßplatten. Die Fassade ist dreischalig aufgebaut. Auf die Ziegelmauer folgt ein Hochlochziegel, der dämmt und Feuchtigkeit reguliert, und dann mit Bruchsteinmauerwerk umschlossen ist.

Im Innenraum vermittelt geglätteter Kalkputz Klarheit und Gelassenheit. Die Böden in den öffentlichen Bereichen sind mit Naturstein verlegt, die Büros mit Eichenholzdielen. Aus Eichenholz sind auch die eingebauten Möbel. Die Wirkung dieser Räume ist fast wohnlich, wird aber hauptsächlich bestimmt durch die großen Verglasungen, die den Blick ins Freie lenken, hin zur markanten und wunderschönen Berglandschaft des Montafons, die hier auch im Arbeitsalltag Hauptthema ist.

Wenige, ausgesuchte Möbel, Platz für den Alltag. Die Räume sind multifunktional einsetzbar und in jedem Winkel licht und freundlich.

Wenige, ausgesuchte Möbel,
Platz für den Alltag. Die Räume sind multifunktional einsetzbar und in jedem Winkel licht und freundlich.

Große Vergla­sungen lenken den Blick immer wieder ins Freie, hin zur markanten und wunderschönen Berglandschaft des Montafons.

Große Vergla­sungen lenken den Blick immer wieder ins Freie, hin zur markanten und wunderschönen Berglandschaft des Montafons.

Preisverdächtig. Nominiert für den Mies van der Rohe Award 2019, Dezeen Award 2019. Das Alpinsportzentrum ist das neue Architekturjuwel des Montafons.

Preisverdächtig. Nominiert für den Mies van der Rohe Award 2019, Dezeen Award 2019. Das Alpinsportzentrum ist das neue Architekturjuwel des Montafons.

Analog zu traditionellen Steinmauern werden hier Schicht auf Schicht Gneis und Granit handwerklich verarbeitet und kraftschlüssigim Ziegelmauerwerk verankert.

Analog zu traditionellen Steinmauern werden hier Schicht auf Schicht Gneis und Granit handwerklich verarbeitet und kraftschlüssig
im Ziegelmauerwerk verankert.

Besucher(innen) werden von einem hohen, hellen Raum empfangen und an der Info-Theke von den Mitarbeiter(inne)n des Alpinsportzentrums.

Besucher(innen) werden von einem hohen, hellen Raum empfangen und an der Info-Theke
von den Mitarbeiter(inne)n des Alpinsportzentrums.

Wohnliche Atmosphäre im Büro. Eichenböden und -möbel vermitteln Behaglichkeit.

Wohnliche Atmosphäre im Büro. Eichenböden und -möbel vermitteln Behaglichkeit.

Das Thema stets vor Augen. Die alpine Welt als Arbeitsgegen­stand, Referenz und Bezugspunkt für den Entwurf.

Das Thema stets vor Augen.
Die alpine Welt als Arbeitsgegen­stand, Referenz und Bezugspunkt für den Entwurf.

Für Architekt Bernardo Bader zählten hier Motive wie „aus Stein gehauen“, „der Bergwelt zugehörig“, „echte Massivität“, genauso wie „Handwerklichkeit“ und „Bautradition“.

Für Architekt Bernardo Bader zählten hier Motive wie „aus Stein gehauen“, „der Bergwelt zugehörig“, „echte Massivität“, genauso wie „Handwerklichkeit“ und „Bautradition“.

Steinböden für die vielfrequentierten Bereiche: im Foyer und Stiegenhaus.

Steinböden für die vielfrequentierten Bereiche: im Foyer und Stiegenhaus.