Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wenn das Ende näher kommt

Kultur / 12.04.2013 • 19:26 Uhr

Wenn Sie heute in Vorarlbergs Städten und Gemeinden unterwegs sind, dann könnte es sein, dass Ihnen freundliche Frauen, Männer und Jugendliche Rosen übergeben. Mit den Rosen aber wollen sie auch eine Botschaft überbringen, denn heute ist Aktionstag der Hospiz Vorarlberg.

Die Hospiz gibt es in unserem Land schon seit langer Zeit, begründet wurde sie unter anderem von Caritas-Seelsorger Elmar Simma. Damals, vor gut zwei Jahrzehnten, kannte man die Anliegen der Hospiz kaum, heute ist die Idee weit verbreitet. In Vorarlberg sind es über zweihundert Ehrenamtliche, die Schwerkranke, oft Sterbenskranke, auf ihrem Weg begleiten. „Leben bis zuletzt“ – das ist das Motto der Hospiz, womit natürlich gemeint ist, dass das Leben zu allen Zeiten und unter allen Umständen lebenswert ist. Mit den Rosengeschenken, die heute verteilt werden (und für die auch eine Spende angebracht wäre), soll auf diese wichtige Arbeit der Hospizmitarbeiter aufmerksam gemacht werden.

Epiktet, ein ursprünglich griechischer, dann im 1. Jahrhundert in Rom lebender Sklave, der schließlich wie andere Philosophen von Kaiser Diokletian ausgewiesen wurde und deshalb nach Epirus in Griechenland ging, hatte eine besondere Vorstellung vom Tod. Er meinte nämlich, dass der Tod nichts Schreckliches sei, nur die fürchterliche Vorstellung vom Tode mache ihn furchtbar. Diese fürchterliche Vorstellung, diesen Schrecken will die Hospiz nehmen. Der Tod soll als Teil des Lebens, als wichtiger, neben der Geburt vielleicht wichtigster Teil des Lebens verstanden werden. Ohne Tod kein Leben, nur die Begrenztheit des Lebens macht es nämlich erträglich. So ist wohl auch das wunderbare Lied von Johann Sebastian Bach zu verstehen: „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh! Komm, führe mich in Friede, weil ich der Welt bin müde, ach komm, ich wart auf dich, komm bald und führe mich, drück mir die Augen zu. Komm, selge Ruh!“ Keine Todessehnsucht, aber der Tod als stimmiger Abschluss, als „selge Ruh“ nach dem Leben.

Die Angst vor dem Tod nehmen, den Weg bis dorthin begleiten – das ist mit die wichtige Aufgabe der Hospiz. Deshalb werden die Vertreter der Hospiz heute fröhlich an die Menschen herantreten und ihnen Rosen schenken. Wohl wissend, dass es bis zum Tod wichtig ist, das Leben in jeder Form zu nehmen und sich des Daseins zu erfreuen, solange das möglich ist.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.