Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Welt in Farben und Streifen

Kultur / 14.06.2013 • 18:40 Uhr

Es war fast so etwas wie eine Rücksetzung um einige Jahrzehnte. Viele der auch damals handelnden Personen waren dabei, der Ort ein wichtiger Treffpunkt von früher, der Vernissageredner ebenso wie der zu ehrende Künstler: beide Klassiker. Die Rede ist von der Ausstellung von Heinz Greissing bei der Berufsvereinigung der bildenden Künstler im Bregenzer Palais Thurn und Taxis (noch bis 23. Juni). Heinz Greissing, der sein Jahr drittelt zwischen Bregenz, dem Weinviertel und seinem südlichen Sitz in Spanien, in Andalusien, in der alten Stierkämpferstadt Ronda. Am Rednerpult zur Eröffnung der Ausstellung Oscar Sandner, früher Chef des Kulturamtes in Bregenz, alter Freund von Heinz Greissing.

Eine Blende zurück um ziemlich genau vierzig Jahre: Im Jahr 1972 stellte Greissing im Rahmen der Randspiele seine Kistenmenschen, auf einer mit Leinen bespannten, lebensgroßen Holzkiste Frauenfiguren sozusagen rundum gemalt, aus. Otto Breicha, Leiter des Salzburger Rupertinums, meinte zehn Jahre danach: „Die Kistenmenschen bilden eine nicht unwichtige Einübung zum späteren Unterfangen, landschaftliches Erleben aus Teilansichten zusammenzusetzen.“ Die „Streifenbilder“ zeichnen sich also schon ab.

Oscar Sandner, der im besonders gemachten Katalog „Landschaft als Möglichkeit“ (Bucher Verlag Hohenems) neben Otto Breicha die meisten Texte beisteuert, ist der kongeniale Redner zu den Arbeiten, er kennt nicht nur die Bilder, er kennt vor allem den Künstler, er schöpft in seiner Rede aus dem Vollen, unterbricht sich selbst, ergänzt. Es war eine Freude, ihm zuzuhören, es war eine Bereicherung für den Ausstellungsrundgang. Für die, die’s nicht gehört haben, erfüllt der Katalog diese Aufgabe – und noch mehr.

Natürlich, es war die Landschaft, immer die Landschaft, die Heinz Greissing beschäftigte. Er malt in Vorarlberg, vor allem am und um den See, nicht zuletzt die Berge, er malt Porträts, er malt Bäume, besonders gerne Bäume. Am meisten malt er die spanische Landschaft um Ronda. Vor Jahren war ich einmal mit ihm an dem Platz, den er seinen „Malplatz“ nennt, mit Blick auf Ronda. Streifenbilder malt er vor allem, mit Blick vor sich und hinter sich. Immer wieder malt er hier. Nichts hat sich in Jahren verändert – außer seine Bildern. Die gehen immer weiter, immer tiefer. Man kann es spüren. In der Ausstellung.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.