Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Billionen in den Sand gesetzt

Kultur / 28.06.2013 • 18:32 Uhr

Die Zahlen, die uns seit einiger Zeit um die Ohren geschlagen werden, können wir vermutlich alle nicht mehr nachvollziehen. Wer kann sich schon vorstellen, wie viel vier Billionen Euro sind? Niemand. Nicht einmal die Banker, die sonst fast alles mit dem Geld können. Rund vier Billionen (die Angaben schwanken) sind es aber, die in den letzten Jahren in der EU zur Bankenrettung aufgeboten wurden. Vier Billionen!

Und da schämt sich niemand bei den Banken oder in der Politik, da schämt sich niemand, obwohl die Welt am Hungertuch nagt, obwohl jeden Tag Tausende Kinder elendiglich zugrunde gehen, weil sie zu wenig zu essen und zu trinken haben, obwohl man mit einem Bruchteil davon alle finanziellen Nöte der Armen auf der Welt beseitigen und die Ausgaben für Bildung in der Dritten und Vierten Welt schlagartig auf Jahre finanzieren könnte. Wieso schreit da niemand, wieso begehrt niemand auf gegen die Banken, die solches verursachen und gegen Politiker, die so etwas genehmigen, in den Parlamenten „durchwinken“. Vier Billionen, man wagt gar nicht, so eine Summe in die alte Währung, in Schilling umzurechnen. Zu viele Stellen kämen da heraus, zu grausig wäre die Zahl, wenn man weiß, dass dieses Geld in den Sand gesetzt wurde.

Bisher haben wir immer an Rüstungsausgaben gedacht, wenn wir gemeint haben, dass man mit solch ungeheuerlichen Summen die Armen der Welt retten sollte. Aber selbst diese unvorstellbaren Ausgaben der Militärs der Welt werden inzwischen von den „Bankenrettern“ überholt. Nach einer Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstituts, der anerkanntesten Institution auf diesem Gebiet, wurden im Jahr 2012 rund 1,33 Billionen Euro Militärausgaben weltweit getätigt. Das ist völlig verrückt viel, aber doch „nur“ etwa ein Drittel jener Summe, die zur Bankenrettung aufgewendet wurde.

Der Skandal ist, dass gar nichts von diesem Geld zu den Menschen kommt. Alles verbrennen die Banken, um dann damit wieder die Menschen auszunehmen. Der Satz von Bert Brecht fällt ein: „Was ist schon ein Überfall auf eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Recht hatte Brecht – schon vor einem halben Jahrhundert! Denn auch die am Donnerstag beschlossene EU-Regelung, dass in Zukunft vor allem die Banken selbst zu ihrer Rettung beitragen müssen, gibt keine Sicherheit. Die Politik ist weiter erpressbar.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.