Wir brauchen nicht den Ozean
Es war im Jahre 2003, als die „Internationale Vereinigung der Bodenseekapitäne“ ihr 75-Jahr-Jubiläum feierte. Zu diesem Anlass sangen die Herren mit den vielen goldenen Streifen am Ärmel ihrer Uniform ein Lied, das ihre besondere Situation auf einem der größten Binnenseen Europas darstellen sollte. Der Titel: „Wir brauchen nicht den Ozean, wir brauchen nicht das Meer“ (die zugehörige Broschüre erschien im Dieth Verlag in Lauterach). Man hört schon den Unterton heraus: Wir brauchen nicht die See, also das Meer, uns genügt der See, nämlich der Bodensee. Ab morgen fahren sie wieder über den See, die Kapitäne, mit „ihrer“ weißen Flotte aus den drei Anrainerstaaten. In Bregenz wird der Beginn der Saison mit einem großen Hafenfest begangen. Da wird natürlich alles geboten: Schiffsbesichtigungen, Rundfahrten um einen Euro (inklusive Bahnfahrt nach Bregenz), Musik, und was weiß ich noch alles.
Ich werde wohl eher die ruhige Seite wählen, werde mich nämlich – zumindest, wenn das Wetter stimmt – auf das Kursschiff setzen, das am Morgen Bregenz verlässt und ans andere Ende des Sees fährt. Bis Konstanz würde ich gerne fahren, gibt es doch heuer das 600jährige Gedenken an das Konstanzer Konzil, das von 1414 bis 1418 in der Bodenseestadt abgehalten wurde und das große Schisma der Katholischen Kirche beendet hat. Das wäre – so nebenbei – auch ein Anlass, einmal einen mehrtägigen Ausflug mit dem Schiff zu unternehmen, mit Weiterfahrt nach Überlingen oder auch an den Untersee, vielleicht auf die Insel Reichenau oder nach Stein am Rhein. Übrigens: Das Vorarlberger Landesmuseum wird am 12. Juni mit dem Schiff eine Exkursion nach Konstanz machen und dort die Landesausstellung im Konzilsgebäude zum Jubiläum besuchen.
Eine Fahrt nach Konstanz mit dem Schiff, von Hafen zu Hafen – viel Schöneres kann man in unserer Region nicht machen. Gut vier Stunden ist man auf dem Weg, dann hat man ein paar Stunden in Konstanz, dann zurück, am frühen Abend ist man wieder zu Hause. Im Sommer geht es noch einfacher mit dem Schnellkurs. Ein Tag, der einem Urlaubstag gleichkommt, ein Tag, an dem dem Auge bei der Fahrt über den See so unglaublich viel geboten wird, dass es fast nicht aufzunehmen ist. Wie Eduard Mörike zum Bodensee schreibt: „Es singen die Wasser im Schlafe noch fort, vom Tage, vom heute gewesenen Tage.“
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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