Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Felder – Beispiel fürs Museum

Kultur / 18.07.2014 • 22:32 Uhr

Zu „Ich, Felder – Dichter und Rebell“, der Ausstellung im Landesmuseum in Bregenz, sollte man nicht nur einmal gehen. Es ist – es zeigt sich, je öfter man hineingeht, umso mehr – eine wirklich großartige Ausstellung. Den Kuratoren Ulrike Längle und Jürgen Thaler vom Felder-Archiv und Theresia Anwander vom Museum ist etwas Seltenes gelungen: Eine Ausstellung mit vorwiegend Flachware, also mit Manuskripten, Texten, Büchern oder Tönen, zu machen, die so spannend ist, dass man gerne in ihr verweilt. Auch für längere Zeit. Besonderes Lob muss man den Gestaltern der Schau vom Atelier Stecher in Götzis machen, die die Besucher über kluge Wege und mit dem Thema entsprechenden Stationen durch die Räume führen. Damit könnte diese Felder-Ausstellung ein Beispiel auch für die anderen Ausstellungen im Museum sein, denen solche Faszination nicht gelingt.

Eröffnet wird mit einer Art Porträtgalerie, 22 Bilder von vorwiegend Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern, nicht alle gut, aber die meisten interessant. Aus diesem Raum führt der Weg durch die Lebensstationen des Dichters, den Tod des Vaters, den Sturz in die Ach, die politischen und sozialen Bemühungen. Berührend der Raum mit Briefen von und an Nanni, seine spätere Frau, sein „Wible“, darunter der „Brautbrief“ von Nanni, in dem sie ihrem Bruder Kaspar Moosbrugger Felder in wunderbarer Art beschreibt.

Zwei besondere Präsentationen fallen in der Ausstellung auf: Einmal die Bibliothek, die sich Felder im Laufe der Jahre mühsam erworben hat, die zeigt, wie universell er sich gebildet hat, wie unvoreingenommen er Literatur begegnet ist. So schön und dennoch sicher verwahrt wurden Bücher kaum einmal gezeigt. Dann auch die „Rotonda“ mit den Manuskripten von Felder, raumfüllend in zwei Kreisen. Eine wunderbare Art, Handschriften vorzustellen.

Interessant auch die vier Videostationen, in denen jeweils drei Personen, zu einer Version zusammengeschnitten, einen Roman von Felder erzählen. Zum Teil auch noch interessant die letzten Hörstationen, in denen einzelne Personen „ihren“ Felder erklären. Dass Ulrike Längle hier wieder einmal ihre kriminalistischen Vorstellungen ausbreitet, nach denen sowohl Felder als auch seine Frau einem Giftmörder zum Oper gefallen sein könnten, scheint allerdings auch diesmal eher daneben.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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