Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wissenschaft im Zentrum

Kultur / 14.11.2014 • 20:05 Uhr

Etwas vom Schwierigsten ist es, wissenschaftliche Themen so zu präsentieren, dass sie auch für jene verständlich sind, die von der Sache nichts oder nur wenig verstehen. Das kann auf verschiedensten Ebenen geschehen, in diesem Fall geht es zum einen um historische Darstellungen, zum anderen um eine Ausstellung.

Anfang dieser Woche wurde der Historiker Meinrad Pichler mit dem Wissenschaftspreis des Landes Vorarlberg ausgezeichnet. Damit wurde ein Wissenschaftler geehrt, der es wie wenige versteht, oftmals schwierige historische Zusammenhänge so darzustellen, dass sie auch der Laie versteht. Pichler erzählt uns Geschichte oft in Geschichten – und das ist der beste Weg der Vermittlung. Meinrad Pichler stand ganz am Anfang der Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte in Vorarlberg, die vom „offiziellen“ Land nicht immer gern gesehen wurde. Mit dem Buch „Nachträge“, das er als Herausgeber verantwortete, gab er sozusagen die Initialzündung für die neue Geschichtsschreibung. Mit der Gründung der Johann-August-Malin-Gesellschaft, der Pichler seit Beginn angehört, wurde ein Zusammenschluss jener Historiker geschaffen, die sich der neuesten Geschichte widmeten. Meinrad Pichler steuerte dazu Dutzende Bücher und Aufsätze zur Geschichte des Nationalsozialismus oder zu den Vorarlberger Auswanderern des 19. Jahrhunderts bei. In Kürze wird der von ihm geschriebene dritte Band der neuen Vorarlberger Landesgeschichte – vor allem zum 20. Jahrhundert – herauskommen. Allein das würde den Wissenschaftspreis des Landes rechtfertigen.

An diesem Wochenende geht im Landesmuseum die Ausstellung „Ich, Felder, Dichter und Rebell“ zu Ende. Es war eine wirklich große Schau, die in den letzten fünf Monaten präsentiert wurde. Wer sie noch nicht gesehen hat, möge das ganz dringend nachholen, morgen ist nämlich Schluss. Ich wage zu behaupten, dass der, der diese Ausstellung nicht gesehen hat, auch dann etwas versäumt, wenn er schon etwas zu Felder weiß. Wer noch nichts weiß, bekommt einen erstklassigen Einstieg. Der Inhalt ist die wissenschaftliche Grundlage, das Erzählerische ist die Ausstellungsarchitektur des Ateliers Stecher, das die Besucher in großartiger Art durch das dramatische Leben Felders führt. Es ist schade, dass diese Ausstellung vorbei ist, aber immerhin bleibt der gut lesbare Katalog als Begleiter für die Zukunft.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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