Eigenartige Kulturdebatte
Es war sonderbar, was am vergangenen Mittwoch im Vorarlberger Landtag im Rahmen der Kulturdebatte geboten wurde. Dabei hatte man sich auf von bisherigen Gewohnheiten unterschiedliche Abläufe eingestellt, denn immerhin war ein erheblicher Teil der zu erwartenden Diskutanten erstmals dabei. Nicht zuletzt war es auch für Kulturlandesrat Christian Bernhard das erste Budget.
Die ersten Wortmeldungen kamen von „alten Hasen“, Ernst Hagen für die Freiheitlichen, Gabriele Sprickler-Falschlunger für die Sozialdemokraten. Hagen verwies auf das erfreuliche Plus im Kulturbudget von 3,7 Prozent, auch der Rechnungshofbericht über die Kulturabteilung sei weitgehend positiv, manch angemerkte Punkte seien bereits korrigiert oder in Umsetzung. Gabriele Sprickler-Falschlunger meinte, dass sich die Kulturlandschaft in Vorarlberg in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch das neue Landesmuseum, sehr verändert habe. Man müsse deshalb neue, konkrete Ziele formulieren. In der geplanten Kulturenquete im Februar sieht sie dazu eine Möglichkeit.
Die drei weiteren Debattenbeiträge kamen von Neulingen, und man merkte doch deutlich, dass hier Routine ebenso fehlte wie historisches Wissen um frühere Debatten. Das galt ganz besonders für Martina Pointner von den Neos und Nina Tomaselli von den Grünen, aber auch Daniel Steinhofer als neuer Kultursprecher der ÖVP brachte mehr allgemeine als prinzipielle Anmerkungen. Vielleicht darf man von Neulingen nicht viel mehr erwarten, aber es wäre doch möglich gewesen, sich auf den schon lange anstehenden Termin der Budgetdebatte besser vorzubereiten. Man hätte sich beispielsweise mit Künstlern oder Kulturveranstaltern unterhalten und sich von ihnen bessere Informationen holen können. Dazu hat es nicht gereicht. Für den ersten Auftritt mag man das verzeihen, bei der nächsten Debatte muss man dann aber doch andere Maßstäbe anwenden.
Erstaunlich dann die Replik des neuen Kulturlandesrates Christian Bernhard, die erste, die er abzugeben hatte. Er werde, so sagte er, all die Anregungen und Wünsche aufgreifen. Und das war’s dann schon. Alles in allem knapp eine Minute. So kurz hat noch nie ein Referent geantwortet, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das genial oder doch auch fast schon brüskierend für die Vorredner finde. Vorläufig bleibe ich zumindest bei erstaunlich.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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