Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Geld kam nie zu den Menschen

Kultur / 23.01.2015 • 20:13 Uhr

In Griechenland macht der eigentlich vertrauliche Bericht einer Sonderkommission die Runde und sorgt inzwischen für Schlagzeilen in den Medien. Nach diesem Bericht schuldet Deutschland den Griechen elf Milliarden Euro. Die Schuld geht auf das Jahr 1942 zurück, als Griechenland von den Deutschen besetzt wurde. Dafür wurde – wie pervers – von der griechischen Zentralbank ein Zwangskredit in der Höhe von 215,6 Millionen Dollar an die Deutsche Reichsbank gefordert und auch bezahlt, um die Besatzungskosten abzudecken. Einfach gesagt: Die Besetzten mussten den Besetzern für die Unterdrückung zahlen! Die Kommission kam nun zum Ergebnis, dass Deutschland als Nachfolgestaat des Dritten Reiches „vergessen“ habe, diese Schulden zu bezahlen. Rechnet man den verliehenen Betrag mit Zinseszinsen, so ergeben sich eben die rund elf Milliarden Euro.

Dieser Bericht kommt zu spannender Zeit, denn in Athen bereitet man sich eben auf die morgen stattfindenden Wahlen vor, die nach allen Umfragen eine Abstrafung der bisherigen Regierung und einen Sieg des Linksbündnisses unter Alexis Tsipras bringen werden. Und Tsipras ist es ja, der seit Jahren einen Schuldenschnitt für Griechenland bei seinen Gläubigern fordert. Das neue Gutachten hilft ihm dabei. Aufgrund dieser Ankündigung zittern die europäischen Geldgeber, die in den letzten Jahren etwa 240 Milliarden Euro nach Griechenland gepumpt haben. Diese vielen Milliarden sind allerdings nie beim Volk, sondern nur bei den Banken angekommen, die damit wiederum ihre Verpflichtungen vor allem gegenüber deutschen und französischen Banken erfüllt haben. Den Menschen aber wurde nur genommen, die Arbeitslosigkeit wurde immer größer (bei Jugendlichen beträgt sie 50 Prozent), Depression ergriff das ganze Land. Der Zorn auf die Geldgeber, die immer härtere Sparmaßnahmen forderten und immer mehr Menschen in die Armut trieben, wurde immer größer.

Die Politik der EU hat Griechenland von Europa entfernt, in Bonn, Paris und auch in Wien sitzen nach Ansicht der Griechen diejenigen, die sie arm gemacht haben. So wird Tsipras gewinnen, der bisherige Regierungschef Samaras verlieren. Europa wird Angst um seine Milliarden bekommen, die sie nie den Menschen, sondern immer nur dem Großkapital gegeben haben. Jetzt regeln das die Menschen morgen bei der Wahl selbst.

Die Politik der EU hat Griechenland von Europa entfernt. In Bonn, Paris und auch in Wien sitzen nach Ansicht der Griechen diejenigen, die sie arm gemacht haben.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.