Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Neue Wege von Kunst und Bau

Kultur / 01.05.2015 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Feuerwehrausbildungszentrum in Feldkirch war in die Jahre gekommen. Das äußere Erscheinungsbild war nicht mehr zeitgemäß, machte keine Orientierung möglich, die Heizung beheizte mehr die Umwelt als das Haus. Anlass also für eine bauliche Veränderung. Und das wiederum bedeutete – nach einer selbstauferlegten Verordnung des Landes Vorarlberg -, dass auch Geld für Kunst und Bau frei wurde. Das bisher nicht klar strukturierte Gebäude erhielt eine neue Fassade und erstmals auch eine wirklich erkennbare Eingangssituation.

Hier schaltete sich der von der Kommission bestimmte Schweizer Künstler Jan Kaeser ein und setzte als markantes Signal ein kleines, schiefes, feherwehr-rotes, in sich verschobenes „Haus“ neben den Eingang. Mit der neuen, geschlossenen Außenhaut des gesamten Gebäudes von Achammer Architektur ergibt sich nun eine neue Situation nicht nur für den Eingang, sondern auch für den Innenhof. Eine sehr gelungene Möglichkeit des Zusammenspiels von Architektur und Kunst.

Zu einem besonderen Ergebnis führte auch ein Kunst-und-Bau-Projekt, das sich auf bauliche Adaptionen beim Landesbauhof Lauterach und beim Stützpunkt Schoppernau gründet. Die Kommission für Kunst und Bau beauftragte Marianne Greber, sich Gedanken über ein Kunstprojekt zu machen. Wie bei der eigenwilligen Künstlerin zu erwarten, wurde nicht Kunst am Bau gemacht, sondern etwas ganz anderes. Greber begleitete über ein Jahr jene Menschen, die für die Straßenerhaltung zuständig sind. „Streckenwölfe“ werden sie genannt, und Marianne Greber dokumentierte ihre harte, nicht ungefährliche, hohen Körpereinsatz verlangende Arbeit in der ihr eigenen Fotografie.

Zentraler Punkt der Bilder sind die Menschen in ihrer orange oder gelb leuchtenden Arbeitskleidung, der Rest der Bilder, die Straßen, Tunnels, Felsen oder Arbeitsmaterialien bleiben schwarz-weiß. Damit ist klar, worauf Marianne Greber Wert legt: Auf die Menschen, die sie zudem alle auch einzeln dokumentiert.

All das ist zusammengefasst in Marianne Grebers Fotobuch „Straßenwölfe“, das am vergangenen Dienstag im Landesmuseum vorgestellt wurde. Allerdings nur vorgestellt, denn das Buch ist nicht zu kaufen, es wurde nur an jene verteilt, denen es gewidmet ist: den „Straßenwölfen“. Das Buch ist – nicht nur, aber auch deshalb – ein ganz besonders wertvolles Kunst-und-Bau-Projekt.

Zu einem besonderen Ergebnis führte ein Kunst-und-Bau-Projekt, das sich auf Adaptionen beim Landesbauhof gründet.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.