Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Alte Häuser, neuer Inhalt

Kultur / 26.06.2015 • 21:41 Uhr

Vor vielen Jahren stand ich einmal mit dem Bregenzerwälder Bildhauer Herbert Albrecht am Holdamoos, auf dem Hügel zwischen Au und Schoppernau. Albrecht sah hinunter auf Rehmen, jenen Ortsteil von Au, in dem er aufgewachsen war.

„Schau, wie schön die Häuser unten stehen. Früher, als ich ein Kind war, als viele Bauten auch noch nicht so wie heute waren, habe ich gesagt: Wie die Kühe in einer Herde stehen sie da.“ Und tatsächlich, seit damals fällt mir das immer wieder ein, wenn ich von oben herab schaue. Auch am vergangenen Wochenende war das so, als im Museum Schwarzenberg ein Buch über den Umgang mit alter Bausubstanz vorgestellt wurde.

Florian Aicher, Architekt aus dem Allgäu und besonderer Kenner des Bregenzerwaldes, und Hermann Kaufmann, Bregenzerwälder Architekt und Professor für Entwerfen und Holzbau an der Technischen Universität München, haben sich gemeinsam des Themas angenommen: „Belebte Substanz – Umgebaute Bauernhäuser im Bregenzerwald“ ist der Titel des bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienenen, besonders gediegen aufgemachten Buches.

Es geht also nicht um die konservatorische Erhaltung alter Häuser, sondern um Beispiele, wie in alter Substanz – von außen oft kaum bemerkbar – neues Leben entsteht. Womit natürlich der entscheidende Beitrag zur Erhaltung dieser Substanz geleistet wird. Denn zu oft schon, so meinen Aicher und Kaufmann, mussten die Bauernhäuser im Bregenzerwald neuen, oft auch nicht gelungenen Neubauten weichen.

Vor allem aber verändere sich, so meinen sie, die Landschaft mit den Bauten. Denn wenn nur ein Teil, in diesem Fall die alten Häuser, verschwindet, dann leidet auch das Ganze. Und dann, sagt Florian Aicher, werden die Menschen das Besondere in diesem Tal nicht mehr erkennen können und weiterfahren.

Das Buch zeigt 17 Beispiele von gelungenen Umbauten, von neuen Wohnmöglichkeiten in den alten Häusern. Es sind keine Anweisungen, wie man das machen, aber es sind Ratschläge, was man beim Umgang mit alter Substanz beachten sollte. Die Beispiele überzeugen in ihrer Vielfalt, auch in ihrer Einzigartigkeit, die manchmal in Erstaunen versetzt. Texte zu Landschaft und Häusern sowie Fotos werden ergänzt durch Pläne, Hinweise auf den Umgang mit Energie durch erklärende Begriffe zum Thema. Ein wunderbares Buch zum Blättern, auch eines zum Lernen.

Denn wenn nur ein Teil, in diesem Fall die alten Häuser, verschwindet, dann leidet auch das Ganze.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.