Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Herbergsuche in Vorarlberg

Kultur / 23.10.2015 • 19:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor einiger Zeit war ich in Rumänien, in Siebenbürgen, in den Dörfern um die dortige Hauptstadt Sibiu (im Deutschen besser bekannt als Hermannstadt). Es waren jene Dörfer, in denen der Vorarlberger Jesuitenpater Georg Sporschill seit Jahren im Einsatz ist. Sporschill betreut dort mit seiner Mitstreiterin Ruth Zenkert Roma, er bietet den Familien, vor allem den Kindern verschiedenste Hilfen an, Hilfen, ohne die die meisten von den Roma nicht existieren könnten. Die Arbeit, die Sporschill mit seinen Leuten erbringt, ist nicht hoch genug einzuschätzen, er und Zenkert stellen ihr Leben ganz in den Dienst dieser in Rumänien verachteten Menschen. Da werden Sozialzentren gebaut, da werden Kinder unterrichtet, da wird in einer neu gebauten Bäckerei nicht nur Brot gebacken, da werden auch Arbeitsplätze geboten – und vieles mehr. Sporschill hat bei uns einen sehr guten Ruf, wenn er kommt, dann füllen sich Veranstaltungssäle. Für die Roma von Pater Sporschill öffnen die Vorarlberger ihr Herz und ihre Geldbeutel.

So hatte es zumindest lange Zeit den Anschein. Doch nun ist alles anders. Denn seit Tagen sind etwa fünfzig Roma ein Spielball der Gemeinden in Vorarlberg. Monate hatten sie hier gezeltet, unter Brücken oder im Wald. Doch dann kamen die Behörden. Die Österreichischen Bundesbahnen sahen eine Gefährdung der Sicherheit am Gleis, die Stadt Dornbirn wollte die Roma nicht mehr in ihren Gemarkungen. Der Zeltplatz musste geräumt werden. Elmar Stüttler von „Tischlein deck dich“ half und fand eine Unterkunft in Bludenz. Doch schon nach einem Tag wollte auch die Stadt Bludenz die Roma nicht mehr in dem Gebäude, weil das nicht als Wohnraum, sondern als Gewerbebetrieb gewidmet sei. Nun ist Elmar Stüttler wieder auf Suche (Stand: Gestern Nachmittag).

Die Geschichte zeigt, dass es einen Unterschied macht, ob jemand unterstützt und mit Auszeichnungen versehen wird, der den armen Roma in Rumänien hilft oder ob die armen Roma zu uns kommen. Dann versagen die offiziellen Stellen ihre Hilfestellung, dann muss ein Privater her, der das Problem löst. Und selbst dem macht man dann nur Schwierigkeiten. Auf der Strecke bleiben die Menschen, auf der Strecke bleibt auch der Glaube, dass Gemeinden hierzulande in extremen Notsituationen wirklich Hilfe leisten wollen. Eine moderne Form der Herbergsuche.

Pater Sporschill hat bei uns einen sehr guten Ruf, wenn er kommt, dann füllen sich Veranstaltungssäle.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.