Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein Tag, so randvoll wie nie

30.10.2015 • 19:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Manchmal gibt es Tage, die erscheinen so voll, so voll von Gutem auch, dass man glaubt, sie können gar nichts mehr aufnehmen, dass man auch glaubt, sie können gar nicht fertig werden, nie mehr enden. So ist es uns ergangen am vergangenen Montag, am Staatsfeiertag. Wir waren unterwegs nach Mailand, um dort ins Konzert des Vorarlberger Symphonieorchesters im Konservatorium zu gehen. Am Weg zum San Bernardino, im Dorf Splügen, kam die Idee, man könnte bei diesem wunderbaren Wetter doch auch einmal über den Splügenpass fahren. Allein die Fahrt über die gefühlten hundert Kehren, dieses stetige Aufsteigen in immer lichtere, von leuchtenden Lerchenwäldern geradezu brennende Hänge, befreit von der Dunkelheit des Tals; dann, ganz oben am Pass, erste Schritte im in der Sonne glitzernden Schnee, ringsum die himmelragenden Gipfel unter tiefblauem Azur, ganz allein, kein Verkehr am Pass. Es war ganz unglaublich schön. Nicht minder dann die Fahrt über geradezu dramatische Kurven nach Chiavenna, von dort an den blau glänzenden Comosee und die beglückende Fahrt entlang des Sees mit immer neuen Ausblicken.

Voll von so viel Natur kehrten wir in Moltrasio im schon seit Jahrzehnten immer wieder geschätzten Ristorante „Posta“ ein, die Tagliatelle con funghi porcini zergingen auf der Zunge, erhöht durch einen Schluck weißen Weines, der die Ankunft in Italien noch verstärkte. Der Blick auf den schimmernden See mit den vorbeiziehenden Schiffen wäre nicht nötig gewesen, um all das ins Besondere zu erheben.

Dann Mailand. Eine kurze Runde in der Stadt, der Dom mit der goldenen Marienstatue auf der hohen Spitze, der Platz vor der Scala mit dem Denkmal für Leonardo da Vinci, in der Galleria Vittorio Emanuele ein Cappuccino, danach Gespräch und Essen mit Freunden. Und schließlich das Landesorchester, das sich unter Hans Graf in bester Spiellaune zeigte, Schubert zur höchsten Freude, dann Till Fellner mit Beethovens 3. Klavierkonzert – einfach zum Niederknien. Und das im riesigen „Sala Verdi del Conservatorio“, der sich – man darf das als Kompliment an das Orchester verstehen – fast zur Gänze füllte. Wir waren stolz auf „unser“ Orchester als Botschafter in Italien, stießen mit Musikern und Freunden mit einem Prosecco an – und meinen, einen Tag erlebt zu haben, der voller und schöner nicht hätte sein können.

Wir waren stolz auf ,unser‘ Orchester als Botschafter in Italien, stießen mit Musikern und Freunden mit Prosecco an.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.