Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Widerstand war notwendig

13.11.2015 • 20:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn heute Vormittag das Widerstandsmahnmal am Bregenzer Kornmarkt eröffnet wird, dann wird hier Geschichte geschrieben. Denn über Jahrzehnte war es auch nach dem Unrechtsregime des Nationalsozialismus, das den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatte, nicht möglich, ohne Emotionen über Deserteure zu sprechen, geschweige denn Desertion aus der Wehrmacht als richtig, geradezu notwendig zu sehen. Deserteure galten immer noch als Verräter, als jene, die ihre Kameraden im Stich gelassen hatten, als Männer, die ihrer Pflicht nicht nachgekommen waren, schlichtweg und kurzerhand auch als Feiglinge. Es bedurfte vieler Überzeugungskraft von Historikern und engagierten Interessierten an der Zeitgeschichte, bis eine Öffentlichkeit bereit war, Desertion aus der Wehrmacht als Widerstand gegen ein terroristisches Regime anzuerkennen. Nun ist es also so weit – und so sei der Stadt Bregenz und dem Land Vorarlberg gedankt, dass man hier in Zukunft mit einem Mahnmal der Deserteure und des Widerstands gedenkt. Mitten in der Stadt, sodass eigentlich niemand daran vorbeikommt. Es sei denn, dass man bewusst auf die andere Seite schaut.

Kanzleramtsminister Josef Ostermayer hat bei der Eröffnung des Deserteurdenkmals in Wien vor einem Jahr gemeint: „Deserteure sind keine Verräter, weil Verrat nur an Rechtmäßigem, am Rechtsstaat, an der Demokratie, aber nicht an einem maximal inhumanen Unrechtsregime erfolgen kann.“ Damit ist der politische Wille, der 2009 in einem Gesetz alle Urteile der NS-Justiz aufhob, auch in der Öffentlichkeit angekommen. Das Bregenzer Mahnmal wurde von den Grünen und der Johann-August-Malin-Gesellschaft betrieben, nun von der Stadt und dem Land in einem künstlerischen Wettbewerb, der von Nataša Sienčnik gewonnen wurde, ausgeführt.

Ein Mahnmal ist das eine, das andere, wichtigere aber ist, dass die Idee für dieses Mahnmal bei den Menschen ankommt. Deshalb veranstaltete das Land in letzter Zeit und in den nächsten Wochen Filme, Vorträge und Gespräche, die sich mit diesem Thema befassen. Das Metro Kino in Bregenz, das Frauenmuseum in Hittisau, das Jüdische Museum in Hohenems, das Theater am Saumarkt und nicht zuletzt der Große Schwurgerichtssaal im Landesgericht in Feldkirch werden Schauplätze solcher Aufarbeitung sein. Man will also dem Mahnmal Beachtung, den Veranstaltungen aber besondere Aufmerksamkeit wünschen.

Ein Mahnmal ist das eine, das andere, wichtigere aber ist, dass die Idee für dieses Mahnmal bei den Menschen ankommt.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.