Kunst ist nicht demokratisch
Es gibt Dinge, die werden von Menschen entschieden,
die eine besondere Ausbildung genossen haben, die also kraft ihres Wissens Entscheidungen treffen. Niemals würden wir beispielsweise mit unserem Arzt über eine notwendige Therapie diskutieren. Wir wissen zu wenig, wir müssen das den Fachleuten überlassen. Das gilt für sehr viele Bereiche, für Wirtschaft, Gewerbe und Wissenschaften. Nur in einer Sache, da glauben alle mitreden zu können: bei Architektur und Kunst. Und genau dann, wenn das stattfindet, entstehen Kompromisse und damit die schlechtesten Entscheidungen. Bei der Wallfahrtskirche in Bildstein besteht derzeit die Gefahr, dass das eintritt.
Längst ist bei der wunderschön gelegenen Kirche eine Innensanierung unumgänglich. Nach langer Überprüfung kam man zum Schluss, den Raum nicht nur zu renovieren, sondern auch neu zu gestalten. Die Kirche entspricht nicht mehr heutigen liturgischen Anforderungen, die drei Altäre gehören nicht in diese Kirche, sondern sind von der alten Kirche in Vandans ausgeliehen. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, dazu eine hervorragende Jury eingesetzt, mit dabei natürlich auch Pfarrer, Pfarrgemeinderat, ebenso das Denkmalamt und der Freundeskreis der Kirche. Eine Vorinformation wurde schon vor Monaten abgehalten, gerade einmal 28 Interessierte kamen, Widerspruch gab es keinen.
Dann der einstimmige Jurybeschluss, das Projekt von Architekt Christian Lenz und des Künstlers Hubert Matt zur Ausführung zu empfehlen. Alle in der breit zusammengesetzten Jury waren für dieses Projekt, alle waren begeistert. Architekt Karl Sillaber etwa, Jurymitglied und selbst Architekt bei vielen Kirchenumbauten, meinte, dass es sich um „ein lupenreines Projekt handelt“, im Juryprotokoll steht, dass Lenz „wirtschaftlich mit der Zukunft umgeht und einen positiven Ersatz für die bisherigen Altäre“ biete. Und genau dagegen, dass die Altäre entfernt und an Vandans zurückgegeben werden sollen, protestieren nun Bildsteiner und Besucher. Damit gehe, so meinen die Kritiker, der Charakter der Kirche verloren.
Das Gegenteil ist, so meine ich, der Fall. Der Kirchenraum gewinnt ungemein – und endlich käme das Gnadenbild, das Herz der Kirche, an den ihm gebührenden Platz im Zentrum. Man sollte sich in Bildstein, wenn ich mir etwas wünschen darf, an die Entscheidung der Fachleute halten. Das gilt auch für die katholische Kirche, die Haltung beweisen und nicht einfach einem Kompromiss das Wort reden sollte. Klarheit tut not – im Geist und ebenso im Raum der Kirche.
Endlich käme das Gnadenbild, das Herz der Kirche, an den ihm gebührenden Platz im Zentrum.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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