Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Eine Fahrt durch die Täler

Kultur / 26.08.2016 • 21:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Aufmerksame Leser wissen: Manchmal, wenn ich durchs Land fahre, geht mir das Herz über. Auch wieder Anfang dieser Woche. An einem dieser traumhaft sonnigen Tage, die wir in diesem Sommer so oft vermissen mussten, machte ich mich mit meiner Frau zu einer kleinen Vorarlberg-Rundfahrt auf. Wir fuhren ins Laternsertal, durch Laterns, Innerlaterns bis zum Bädle im hinteren Tal. Es ist tatsächlich ein lieblicher Ort, ein kleiner See, tiefgrün, klar, mit Forellen, dass man meint, man könnte sie mit der Hand greifen. Dann weiter hinauf ins Hochgebirge, zum Furkajoch, dem Übergang in den Bregenzerwald. Eine umwerfende Landschaft, große Weite trotz hoher Berge, ein Blick ins eine Tal und auch ins andere, rundum Alpen, Kühe, gepflegte Landschaft. Und natürlich fragt man sich, was aus diesem Juwel werden soll, wenn die Bauern einmal nicht mehr auf die Alpen ziehen, wenn das alles nicht mehr gepflegt wird. Der finanzielle Einsatz, der dafür geleistet wird, scheint bescheiden.

 

Dann die Abfahrt nach Damüls, Station in der kleinen Kirche mit den großen Wandmalereien, einem Passionszyklus aus dem 15. Jahrhundert. Geborgen fühlt man sich zwischen unbeschreiblicher Kunst, nicht wissend, welchem Bild oder welcher Skulptur man die besondere Aufmerksamkeit widmen soll. Neben anderen ganz sicher der außergewöhnlichen Darstellung des Walserheiligen Theodul, dessen Gesicht wie aus Porzellan gemeißelt scheint.

 

Von Damüls geht es hinauf auf die Faschina, ins Große Walsertal. Dort, am Pass, eine kurze Rast mit Besuch in der Sennerei bei Vinzenz Konzett, den wir nicht nur als wesentliches Mitglied der Singgruppe „Obergrechter Senna“, sondern auch als jenen Senn kennen, der bei den Käseprämierungen immer mit ganz vorne ist. Und dann machen wir natürlich Station in der schon zur Hälfte umgebauten Propstei St. Gerold. Es ist großartig, was die Propstei gemeinsam mit Architekt Hermann Kaufmann hier in die Bergwelt gesetzt hat. Einen neuen Gastraum, einen besonderen Platz im Freien über dem Tal, einen Klosterladen, der nicht nur durch das Gebotene, sondern auch durch seine räumliche Ausstrahlung besticht. Noch ist der Umbau nicht fertig, aber es ist genug da, um zu sehen, dass da etwas Neues, Außergewöhnliches entsteht. Vor allem beruhigt, dass das besondere Gefühl, das sich in St. Gerold immer einstellt, auch durch das Neue nicht verloren geht. Im Gegenteil.

Und natürlich fragt man sich, was aus diesem Juwel werden soll, wenn die Bauern einmal nicht mehr auf die Alpen ziehen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.