Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Er fehlt in unserer Kunst

Kultur / 02.09.2016 • 20:09 Uhr

Man glaubt es nicht. Man will es nicht glauben. Man kann es nicht glauben. Menschen, die einem wichtig waren, die man zudem noch besonders gemocht hat, die nicht alt waren – die dürfen nicht sterben. Und sie tun es trotzdem. Vollkommen unerwartet trifft es sie wie der Blitz aus heiterem Himmel – und mit ihnen trifft es einen großen Kreis von Menschen, denen sich eine riesige Lücke auftut, bei der man keine Möglichkeit sieht, sie jemals wieder zu schließen. So erging es mir, so erging es vielen anderen, als der unerwartete Tod von Karl-Heinz Ströhle bekannt wurde. Mitten aus seiner künstlerischen Arbeit im SilvrettAtelier wurde er genommen. Heute wird er begraben.

 

Karl-Heinz Ströhle war ein im wahren Sinn des Wortes öffentlicher Künstler. Viele Arbeiten von ihm sind bekannt, wobei man oft nicht einmal weiß, welcher Künstler hinter der Arbeit stand. Ein Beispiel sind die inzwischen fast schon verschwundenen Linien am Boden der Passage zwischen Kunsthaus Bregenz und Landestheater. Dann, ein Haus weiter, über Jahre, nämlich die ganze Bauzeit des neuen Landesmuseums, das Stadtbild von Bregenz bestimmend, das Baunetz am Museum, weiße und schwarze Streifen. Eine Art Bauzaun, von dem ich einmal geschrieben habe, dass man den doch überhaupt als Außenhaut des Museums belassen könnte, so gut hat er sich in das Bild des Kornmarkts gefügt. Im Kopf haben wir auch seine punktgeschweißten Stahlbänder, aus denen er freistehende Objekte formte, die durch einen Impuls in Schwingung versetzt werden können.

Damit war Karl-Heinz Ströhle im Zwischenbereich von Skulptur, Architektur und Bild angekommen, denn diese Bänder waren oft auch Grundlage seiner Bilder. Sein Lehrer an der Universität, Bazon Brock, sprach bei Ströhles Kunst von einer „Vereinheitlichung der wissenschaftlichen, der künstlerischen, der architektonischen und der gestalterischen Markierungen des Übergangs von der Form zur Entformung“.

 

Karl-Heinz Ströhle war vieles: Zeichner, Maler, Medien- und Objektkünstler, er war zudem Lehrer an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Ich denke, dass er bei den Studenten beliebt war, war er doch erstens ein großartiger Künstler und zweitens ein selten umgänglicher Mensch.

Begegnungen mit ihm waren immer interessant, sie waren von besonderer menschlicher Qualität. Karl-Heinz Ströhle wird der Kunst und uns fehlen. Sehr fehlen.

Menschen, die einem wichtig waren, die man zudem noch besonders gemocht hat, die nicht alt waren – die dürfen nicht sterben.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.