Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Das war noch nicht das Ende

20.01.2017 • 17:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Seestadt ist gestorben. So war es zu lesen. Aber man bedenke auch hier: Manche Totgesagten leben länger. Denn in Sachen Seestadt haben zwar die Betreiber das Ende ausgerufen, unabhängig davon aber läuft weiterhin ein Antrag auf Baugenehmigung für genau diesen Bau bei der Stadt Bregenz (Stand: Freitagmittag). Da hat die Stadt keine Wahl: Sie muss das weiterbearbeiten, und letztlich wird da auch eine Genehmigung erteilt. Anders gesagt: In Kürze hat die Betreibergesellschaft für das Grundstück eine Baugenehmigung, womit der Bau jederzeit wieder begonnen werden kann. Auch dann, wenn das Grundstück den Besitzer wechselt. Ein Verkauf mit einer Baugenehmigung wäre natürlich einfacher und wohl auch lukrativer. Man darf also weiterhin skeptisch sein. Nur die Betreibergesellschaft hat die Möglichkeit, diese Unsicherheit zu beenden, denn nur sie kann den Antrag zurückziehen. Erst dann ist eine mögliche Genehmigung vom Tisch. Erst dann glaube ich, dass das Kapitel Seestadt nach derzeitigem Muster beendet ist. Erst dann sind wohl auch die Betreiber glaubwürdig.

Bleiben wir noch weiter in diesem Bereich von Bregenz, wechseln aber zum neuen Bahnhof und zum Seequartier. Denn der Bahnhof, so sind sich offenbar alle einig, müsse sofort gebaut werden, die Unterführung solle noch Ende dieses Jahres in Angriff genommen werden. Unterführung? Ich meine, ich höre nicht recht! Wer baut denn heute noch eine Unterführung? In Bregenz gibt es schon zwei Unterführungen zum See – eine beim Hafen, eine bei der Hypo –, beide werden nicht wirklich angenommen, beide sind auch nicht gerade Orte des Wohlfühlens. Wirklich einladend aber sind Brücken, da gibt es wunderbare Beispiele in den Städten Europas, Beispiele, bei denen beste Architekten mit einer solchen Aufgabe betraut wurden. Auch Bregenz hatte ja einmal die Gulaschbrücke, die bei den Menschen verankert war, aber mutwillig zerstört wurde. Über die Gleise zum See – das ist attraktiv, da kann man den ein- und ausfahrenden Zügen zusehen, da nimmt man den Geruch des Sees schon wahr, bevor man ihn sieht. In der Unterführung stinkt es nur und ist dunkel.

Also: Auch hier sollte man zurück zum Start und neu überlegen. Vielleicht findet ja die Gruppe der Architekten ein neues Aufgabengebiet, bevor es wieder heißt: Warum ist man da nicht früher draufgekommen?

Vielleicht findet ja die Gruppe der Architekten ein neues Aufgabengebiet.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.