Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Vom Leiden des Kurators

Kultur / 08.09.2017 • 19:27 Uhr

Es ist so: Ich leide. Seit vielen Monaten habe ich mich als Kurator mit den Skulpturen von Herbert Albrecht beschäftigt, habe Pläne geschmiedet und verworfen, wo und wie Ausstellungen zu seinem Jubiläum sein könnten. Schließlich die Entscheidung, dass eine Präsentation im Vorarlberg Museum, eine andere im Kunsthistorischen Museum Wien sein soll. Dann die ganzen dazugehörenden Vorbereitungen, Organisationsarbeiten, Gespräche mit den Verantwortlichen an den Ausstellungsorten, mit Subventionsgebern und Sponsoren.

Der besondere Teil: Das Auswählen der Skulpturen, erst eine grobe Auswahl, dann das Verfeinern, schließlich die Entscheidung für diese oder jene Plastik. Frühe Arbeiten ebenso wie neuere, jüngst, im heurigen Jahr entstandene. Allein das kann man ja kaum verstehen: Mit neunzig Jahren hat Herbert Albrecht noch Skulpturen in Stein gemacht, die zu den besten dieser Ausstellung gehören. Das war reine Freude: Die intensive Auseinandersetzung mit dem Künstler und seinen Arbeiten, das Verfassen von Texten für die Kataloge, die Suche nach geeigneten anderen Autoren, die etwas zum Thema beitragen konnten. Auch die Gespräche mit den Mitarbeiterinnen in den Museen, von denen viele Anregungen und Hilfestellungen kamen. Dann der Augenblick, in dem man zum ersten Mal einen fertigen Katalog in Händen hielt, das erste Durchblättern, das bange Suchen nach Fehlern. Schließlich die Krönung der Arbeit, das Aufstellen der Skulpturen im Foyer des Landesmuseums, das Überprüfen, ob die Realität den eigenen Vorstellungen standhält. Letzte Korrekturen – und die Eröffnung kann beginnen. Auch hier wieder die Befürchtung, dass das Publikum das, was man sich überlegt hat, doch nicht so schätzten könnte. Schließlich die Erleichterung, wenn alles gut, sogar bestens gegangen ist. Wochen der Freude in der Ausstellung, Führungen, Gespräche, Diskussionen. Spannend und schön.

Und jetzt das Leiden des Kurators beim Abbau der Ausstellung: Alles wird Stück für Stück entfernt, eingepackt. Das Foyer des Museums leert sich immer mehr, bis schließlich nichts mehr da ist. Es ist zum Weinen. Der einzige Trost: In zehn Tagen steht ein erheblicher Teil der Arbeiten von Herbert Albrecht in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien. Davor Aufbau, nachher Eröffnung und dann wieder der Schmerz des Abbaus. Aber bis dahin dauert es noch. Bis dahin erhalte ich mir die Freude an der Ausstellung.

„Das Foyer des Museums leert sich immer mehr, bis schließlich nichts mehr da ist. Es ist zum Weinen.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.