Alter Wein in alten Schläuchen
Wenn ich das richtig im Kopf habe, dann ist der junge Schwarze, der sich lieber in Türkis sieht, bei der Nationalratswahl im September dafür angetreten, dass er die Republik erneuern will. Dafür hat er eine Mehrheit der Wähler gewinnen können. Nun aber, da es ans Umsetzen dieser großspurigen Ankündigungen geht, zeigt sich in ziemlich einigen Fällen, dass da nicht einmal alter Wein in neue Schläuche gefüllt wird, sondern dass es sogar alter Wein in alten Schläuchen ist. Manchmal soll da sogar längst Überholtes wieder kommen. Das tut besonders im Bildungsbereich weh.
Seit langer Zeit schon hinkt Österreich in der Ausbildung und in der Bildung im europäischen Schnitt hinterher. Wir geben zwar mehr dafür aus als die meisten anderen Staaten, wir bringen aber damit die Kinder und Jugendlichen nicht auf einen Stand, der am Ende einer Schulzeit erwartet werden darf. Berühmtestes Beispiel ist, dass ein erheblicher Teil unserer Schüler nach Verlassen der Schule nicht sinnerfassend lesen kann. Da wollte die kommende Regierung unter anderem ansetzen.
Nun wissen wir auch, wie das Ausbildungsniveau unserer Schüler angehoben werden soll. Von Anfang an, schon in der Volksschule. Denn nun sollen die Kinder wieder alle mit dem Notensystem beglückt werden, alle müssen mit Noten zwischen
1 und 5 beurteilt werden, auch die Kleinsten. Dass das ein pädagogischer Unsinn ist, weiß inzwischen nahezu jeder. Fast jeder. Denn die Bildungsverhandler von Schwarzen und Blauen wissen das offensichtlich nicht. Sie haben sich auch, so darf man annehmen, nicht von Fachleuten beraten lassen, denn die sind fast einhellig gegen Noten in den ersten Volksschulklassen. Ganz einfach, weil eine einfache Note zwischen 1 und 5 der Leistungsbeurteilung eines Kindes nicht gerecht werden kann.
Ein Kind hat nicht nur Stärken und nicht nur Schwächen. Zudem: Eine verbale Beurteilung beinhaltet immer auch Ansporn für das Kind, es zeigt Schwächen nicht nur auf, sondern auch Möglichkeiten zur Behebung. Das aber wollen ÖVP und FPÖ offenbar nicht, sie wollen die Kinder früh genug mit „Zucht und Ordnung“ auf die „Härten des Lebens“ vorbereiten. Was schlichtweg ein Unsinn ist. Vielleicht wäre es ohnehin besser, wenn die Verhandler von Schwarz und Blau selbst noch einmal kurz die Schulbank drücken und Grundwissen über Pädagogik pauken müssten. Die kann man dann benoten. Derzeit noch mit einem schlichten Fünfer.
„Vielleicht wäre es ohnehin besser, wenn die Verhandler von Schwarz und Blau selbst noch einmal kurz die Schulbank drückten.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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