Ein Maler der Sonderklasse
Das war hoch an der Zeit. Richard Bösch wird zu seinem 75. Geburtstag vom Vorarlberg Museum mit einer ganz besonderen, zweiteiligen Ausstellung geehrt, noch bis 25. Februar. Am besten fährt man mit dem Lift in den vierten Stock, denn Richard Bösch hat das Foyer in der ganzen Höhe mit seinen neuesten Arbeiten ausgestattet.
Wenn man sich langsam nach unten bewegt, bietet jeder Stock einen eigenen Blick auf die kleinen und großen Arbeiten, bis man den Blick nur noch nach oben richten kann und dann alles in einem beeindruckenden Ganzen sieht. Das aber ist erst der Anfang, denn die eigentliche Ausstellung, ebenso intelligent wie emotional kuratiert von Udo Rabensteiner und Karlheinz Pichler, findet sich im dritten Stock.
Zu sehen ist „ein großartiges Werk eines Künstlers, der nun schon ein halbes Jahrhundert lang seinen Prinzipien treu geblieben ist“, schreibt der Direktor des Vorarlberg Museums, Andreas Rudigier. Udo Rabensteiner meint: „Man kann die Bilder Richard Böschs nicht mit kunsthistorisch verschulten Theorien überplaudern.“ Das will ich also gar nicht versuchen, aber festhalten, dass der Titel von Ausstellung und Katalog, „Richard Bösch – Maler“ höchst treffend gewählt wurde. Denn als etwas anderes denn als Maler hat sich Bösch nie verstanden. Ich erinnere mich gut an Diskussionen in den Siebziger- und Achtzigerjahren, als es in kunsthistorischen Exkursen Mode wurde, das „Ende des Tafelbildes“, damit das Ende der Malerei heraufzubeschwören. Bösch hat das schon damals als „Schwachsinn“ bezeichnet und bis heute, nicht zuletzt mit dieser Ausstellung, den Beweis angetreten, dass es tatsächlich ein Schwachsinn war.
Die ganze Ausstellung zeigt, dass Richard Bösch über Jahrzehnte geradezu besessen gemalt hat, dass er konkrete Ereignisse (zum Beispiel im „Tagebuch“, einem besonders interssanten Teil der Ausstellung) wahrgenommen, aber ebenso assoziativ Eindrücke verarbeitet hat. Bilder aus mehr als fünfzig Jahren sind zu sehen, sie belegen auch, dass sich die Stilmittel von Bösch immer wieder geändert haben, dass er nie stehengeblieben ist, sondern sich bis zum heutigen Tag erneuert hat. Das zeigt auch der umfangreiche Katalog, in dem sich erläuternde und kluge Texte zu Bösch finden. Dass das Katalog-Buch im renommierten Residenz Verlag erschienen ist, belegt das Bemühen des Museums, die Publikation nicht nur in unserem Land zu vertreiben.
„Denn als etwas anderes denn als Maler hat sich Bösch nie verstanden.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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