Was ist ein Gropp?
Bei uns wurde der Fasching vor drei Wochen endgültig zu Grabe getragen. Aber es gibt Orte, die sich erst jetzt so richtig ins Getümmel schmeißen. Manche kennt man, am ehesten die Basler Fasnacht, deren Verschiebung zu uns wohl aus dem Unterschied zwischen dem Julianischen und dem Gregorianischen Kalender entstanden ist, übrigens ähnlich wie das unterschiedliche Osterfest bei den Orthodoxen und den Katholiken. Es gibt aber auch einen kleinen Ort am Bodensee, in dem an diesem Wochenende die sogenannte Groppenfasnacht gefeiert wird: in Ermatingen, dem früheren Fischerdorf, das gleich nach dem Konstanzer Trichter, also dort, wo sich der Untersee wieder weitet, liegt. Dort läuft seit einigen Tagen die Hochfasnacht mit dem Höhepunkt des Groppenumzugs morgen, Sonntag, um 14.01 Uhr.
Eine Klärung scheint notwendig. Der Gropp gehört zur Familie der Knochenfische und ist in mehr als 300 verschiedenen Arten bekannt, wobei fast alle Meeresbewohner sind. Es gibt aber auch Süßwasserarten, die bis etwa fünfzehn Zentimeter lang werden. Im Bodensee galt der Gropp aufgrund der Wasserverschmutzung der Siebziger- und Achtzigerjahre als ausgestorben, seit einiger Zeit ist er aber wieder aufgetaucht. Die höchste Verbreitung erreichte er schon früher bei Ermatingen im Untersee.
So schrieb der deutsche Schriftsteller Franz Wichmann zur Groppenfasnacht im Jahre 1896: „Das große Schleppnetz der Ermatinger liefert oft auf einen Zug eine Beute von 20.000 Stück dieser schmackhaften Seebewohner, die lebend bis zu ihrem Ehrentag aufgespart werden, um dann, mit Salz bestreut und in Pfannen gebraten, als Delikatesse verspeist zu werden.“ Ganz so sieht man das mit der Delikatesse heute nicht mehr, denn der kleine Fisch ist durchsetzt von Knochen und Gräten. Aber das Fest zu Ehren des Groppen hat Bestand.
Man weiß nicht genau, wo der Ursprung der Groppenfasnacht liegt, manche meinen, sie geht auf das Konstanzer Konzil (1414–1418) und den damaligen Papst Johannes XXIII. zurück. Denn Johannes musste flüchten und fand bei den Ermatingern Zuflucht. Als Geschenk erlaubte er ihnen einige Festtage in der Fastenzeit. Wahrscheinlich aber dürfte es sich, ähnlich unserem Funkensonntag, um ein altgermanisches Frühlingsritual zum Ende des Winters handeln. Wie immer: Die Ermatinger und mit ihnen auch viele Gäste nehmen die Groppenfasnacht als Möglichkeit, einige Tage heftig zu feiern. Und das mitten in der Fastenzeit.
„Die höchste Verbreitung erreichte er schon früher bei Ermatingen im Untersee.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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