Bregenzer Meisterkonzert wurde zum Triumph für den Klaviersolisten Rafal Blechacz

Kultur / 07.04.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es war ein toller Abend mit viel Begeisterung und einer überraschenden Beethoven-Zugabe. Fritz Jurmann

Der polnische Pianist Rafal Blechacz dominierte das jüngste Meisterkonzert.

Bregenz Das fünfte Meisterkonzert der Saison im ausverkauften Festspielhaus wurde zum Triumph für den überragenden polnischen Klaviersolisten Rafal Blechacz (33). Gemeinsam mit dem Mozarteum Orchester Salzburg unter Riccardo Minasi demonstrierte er seine scheinbar nach innen gewandte und gleichwohl äußerlich glänzende pianistische Kunst gleich im Doppelpack an den beiden großen Klavierkonzerten seines Landsmanns Frédéric Chopin.

Vorarlberger Musiker

Für das solide, wenn auch nicht immer mit letzter Präzision aufspielende Orchester, in dem man die beiden Vorarlberger Musiker Florian Simma am ersten Cello und Dominik Neunteufel am Kontrabass entdeckte, hätte man sich in der Programmierung freilich etwas mehr Raum zur Entfaltung gewünscht. Die Ouvertüre „im italienischen Stil“, in der sich Franz Schubert das zu seiner Zeit in Wien grassierende „Rossini-Fieber“ von der Seele komponierte und damit mehr Erfolg hatte als zuvor mit seinen ersten fünf Symphonien, bleibt bloß eine knappe Visitenkarte. Dennoch lässt sich auch in dieser Kürze erkennen, mit welcher Energie, welch ungezügeltem Temperament der neue italienische Chefdirigent Minasi seine Musiker vor sich hertreibt, ihnen aber auch Raum lässt für Rossinis Belcanto durch Schuberts Brille.

Danach erfüllt das Mozarteum Orchester unter sensibler Führung seines Dirigenten Chopins Partituren mit Eleganz und raffinierter Klanglichkeit, besitzt dabei aber nicht viel mehr als eine Begleitfunktion, denn die beiden Chopinkonzerte sind als Virtuosenwerke ganz auf die höhere Ehre des Solisten zugeschnitten und kaum auf partnerschaftliche Dialoge mit den Musikern angelegt. Was man darin jedoch findet und was auch die scheinbar heterogene Programmierung rechtfertigt, ist der Belcanto, den auch der französische Pole mit Feingefühl in seinen Klavierpart verwoben hat. Da beweist nun der junge „Echo-Klassik“-Preisträger, der mit 20 schon beim berühmten Chopin-Wettbewerb in Warschau alles an Preisen abgeräumt hat, was es zu gewinnen gab, wie man heute wirklich glaubhaft Chopin spielt: mit wohl dosiertem Gefühl, aber ohne alle Sentimentalitäten.

Toller Abend mit viel Begeisterung

Er packt dabei die ganze Palette klavieristischer Möglichkeiten aus, setzt sie überlegen und überlegt ein, von den üppigen Klangkaskaden vertrackter Läufe und Akkordballungen bis zu den weit ausholenden, reich mit Trillern und Umspielungen verzierten berühmten zärtlichen (Salon-)Melodien, wie sie vor allem die langsamen Sätze der beiden Werke auszeichnen. Dabei sieht er rein äußerlich in seiner blassen, zerbrechlichen Jugendlichkeit, seiner untadelig korrekten Haltung am Flügel dem Komponisten durchaus ähnlich. Einer, der nach außen hin stets gelassen bleibt, aber von innen heraus glüht und den auch die größten technischen Hürden, etwa bei den aus der polnischen Folklore heraus inspirierten tänzerischen Finalsätzen, niemals aus der Ruhe zu bringen vermögen, weil er sich im Geiste eins weiß mit dem Erfinder dieser Musik. Seine Konzentration überträgt sich rasch auch auf das Auditorium und hält den ganz Abend über an. Nur ein paar Uneinsichtige haben die gratis verteilten Programme nicht gelesen und stören durch falschen Applaus schon nach dem ersten Satz. Sie werden niedergezischt und sogar vom Dirigenten spöttisch gemaßregelt. Aber sonst: ein toller Abend mit viel Begeisterung und einer überraschenden Beethoven-Zugabe, dem Scherzo aus seiner Klaviersonate Nr. 2 A-Dur. Fritz Jurmann

6. Bregenzer Meisterkonzert, Festspielhaus: 3. Mai, 19.30 Uhr: Kammerorchester Basel, Leitung Paul McCreesh, Solistin: Waltraud Meier, Mezzosopran (Wagner, Tschaikowsky)