Jung, erfolgreich und mutig: Autorin Carolyn Amann

Kultur / 17.04.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Carolyn Amann wird bei den Literaturtagen zu Ostern im Schwärzler ihren Text zum Thema „Aufbruch“ vortragen, der sich auch mit Grenzüberschreitungen befasst.  Aaron Kitzig
Carolyn Amann wird bei den Literaturtagen zu Ostern im Schwärzler ihren Text zum Thema „Aufbruch“ vortragen, der sich auch mit Grenzüberschreitungen befasst.  Aaron Kitzig

Schriftstellerin Carolyn Amann (31) arbeitet politisch engagiert und für die Bühne.

BREGENZ, wien Sie ist jung, erfolgreich und ziemlich mutig. Carolyn Amann widmete sich schon als Jugendliche dem Schreiben, damals fehlte ihr noch der Stoff. Als ihr Vater im Jahr 2013 verstarb, fing sie wieder an und wagte sich an Erinnerungen heran. Seither verfolgt sie die Absicht, sich professionell mit dem Schreiben zu befassen. An der Universität Wien studierte sie Theater-, Film- und Medienwissenschaften und arbeitete als Regieassistentin an den Schauspielhäusern Wien und Graz. Im Jahr 2015 wirkte sie bei den Bregenzer Festspielen in der Opernproduktion „Carmen“ mit. „Um zu schreiben, muss man sich wahrscheinlich ein großes Ego zulegen. Schriftstellerinnen und Schriftsteller müssen an sich selbst glauben und viel Praxis sammeln“, sagt Amann und fügt hinzu: „Beim Theater sammelt man seine Erfahrungen mit Menschen und nicht mit sich allein. Generell spielt neben der Entwicklung die Auseinandersetzung mit einem Thema die entscheidende Rolle.“

Verteilung und Besitz

Die Vorarlbergerin schreibt nun das erste Mal für das Theater, ihr Stück „Zement“ wird diesen Sommer am Theater Kosmos uraufgeführt. „Ich bin dem Theater sehr nahe, jetzt kehre ich als Kreativschaffende mit dem Schreiben zurück“, erklärt Carolyn Amann. Die Regie legte sie in die Hände des Bregenzers Stephan Kasimir. Das Stück schrieb sie speziell für das Vorarlberger Publikum und entschied sich für das Thema Besitz. „Ich beschäftige mich mit der Verteilung von Vermögenswerten in unserer Gesellschaft und auch auf globaler Ebene“, sagt die Schriftstellerin und fügt hinzu: „Es wird der Frage nachgegangen, wie sich die Verteilung gestaltet und ob man sich Besitz erwirtschaften kann oder ob die Vererbung eine entscheidende Rolle spielt.“

Wilder Streifzug

Mit dem Komponisten Phil Yaeger konzipiert sie momentan ein Stück für das Vorarlberger Jazzorchester. „Text und Musik werden miteinander verflochten. Es soll eine Verbindung hergestellt werden“, meint sie. Die Uraufführung ist im Frühjahr 2020 geplant. Im Rahmen ihres Romanprojekts „Neu Amerika“ befasst sie sich mit Geschlechterrollen und Machtmissbrauch. „Als politischer Mensch versuche ich die Fragen nach Gender, Klasse und Ethnizität stets mitzuverhandeln. In meiner Arbeit möchte ich mich mit neuen Fragestellungen beschäftigen.“

In „Körperfragmente“ erarbeitet sie die Kulturgeschichte des europäischen Körpers. „Die intensive Beschäftigung mit Michel Foucault beeinflusste meinen Fokus. Ich befasse mich mit der Frage, wie Körper diszipliniert und geformt werden. Die Arbeit stellt einen wilden Streifzug durch verschiedenste Institutionen und Rituale der europäischen Geschichte dar.“

Literaturtage

Gemeinsam mit neun weiteren Autorinnen und Autoren wird sie sich kommendes Wochenende mit dem Thema „Aufbruch“ befassen. Im Rahmen der Literaturtage im Hotel Schwärzler in Bregenz werden Workshops und Lesungen angeboten. Dabei präsentieren Christian Futscher, Maria Kopf, Cathrin Stadler, Christina Walker, Moritz Hildt, Christian Reimann, Hannah Schraven, Stefan Sprenger, Simon Sailer und Carolyn Amann ihre Texte. Miriam Sorko

Am 20. April findet ab 18.30 Uhr eine öffentliche Lesung im Rahmen der Literaturtage im Hotel Schwärzler in Bregenz statt.