Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Aus der Krise in die Krise

12.07.2019 • 16:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Griechenland hat gewählt. Am letzten Sonntag haben die Griechen den bisherigen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras von der linken Syriza abgewählt und Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Demokratia an die Spitze gebracht. Das war so erwartet worden. Was wirklich überraschte und politisch überzeugte, war, dass die rechtsradikale Partei „Goldene Morgenröte“ aus dem Parlament flog. Das hatte ich den Griechen angesichts der Flüchtlingswelle, die seit Jahren über das Land zieht, nicht zugetraut. Zwei Länder der EU, Italien und Griechenland, sind von der Migrationswelle am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden, beide Länder wurden mit ihrem Problem von den meisten der anderen 25 Staaten der Europäischen Union schmählich im Stich gelassen. Auch – und nicht zuletzt – von Österreich.

In Italien wurde dadurch bei der letzten Wahl der gesamte rechte Block an die Macht gebracht, seit einem Jahr hetzt Innenminister Matteo Salvini von der Lega Nord gegen alle Menschen, die in ihrer Not übers Mittelmeer kommen. In der Schärfe, mit der er gegen Ausländer vorgeht, lässt er manch rechten Recken auch aus Österreich geradezu blass erscheinen.

Die Griechen wählten dagegen besonnen, sie ließen sich nicht von den falschen Versprechen der „Goldenen Morgenröte“ aufhetzen, sie zeigten – zumindest in diesem Bereich – geradezu unglaubliche Reife. Das nötigte auch der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ gehörigen Respekt und einen interessanten Vergleich ab: „Während die Deutschen wahrscheinlich im Herbst die AfD zur stärksten Kraft im Osten machen werden, haben die Griechen ihre Rechten gerade aus dem Parlament geworfen.“ Wir könnten das auch auf Österreich umlegen, wo die FPÖ – trotz Ibiza-Video – auch nicht gerade ein kümmerliches Dasein fristet, sondern sich eher für eine neuerliche Regierungsbeteiligung rüstet.

Doch zurück nach Griechenland. Die Konservativen und Sozialisten hatten das Land in abwechselnden Regierungen in den wirtschaftlichen Ruin geführt. Tsipras hatte vor fünf Jahren in schwierigster Zeit das Ruder übernommen und mit internationaler Hilfe, die oft mehr ein Diktat war, erstaunlich über die Zeit gebracht. Nun, da sich wirtschaftlicher Aufschwung abzeichnet, schenken die Griechen wieder jenen das Vertrauen, die sie damals an den Untergang gebracht haben. Das kann ich – bei aller Anerkennung, dass sie nicht den rechten Radikalen verfallen sind – nicht verstehen. Die Krise winkt schon wieder.

„Die Konservativen und Sozialisten hatten das Land in abwechselnden Regierungen in den wirtschaftlichen Ruin geführt. “

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.