Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Das Wunder des Kubismus

Kultur / 11.08.2019 • 10:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Vorhaben, diese Ausstellung an ihrem ersten Ort zu sehen, nämlich im Centre Pompidou in Paris, wurde durch die ständig marschierenden Gelbwesten zunichte gemacht. Zum Glück gab es eine zweite Chance, nämlich im Neubau des Kunstmuseums Basel. Ein Bau, den wir ohnehin schon länger einmal ansehen wollten. Vor mehr als zehn Jahren gab es einen Wettbewerb für ein neues Museum, das direkt neben den beiden bestehenden Gebäuden stehen sollte. Die Architektengemeinschaft Emanuel Christ und Christoph Gantenbein aus Basel setzte sich gegen weltweite Konkurrenz, unter anderem gegen Zaha Hadid oder Peter Zumthor, durch. Als Ergebnis bildet nun seit 2016 ein monumentales Gebäude mit Backsteinfassade mit den beiden früheren Bauten ein beeindruckendes Ensemble. Und der „Kosmos Kubismus“ ist eine Ausstellung, die in diesem Haus eine wunderbare Präsentation gefunden hat.

„Mit dem Kubismus wird eine der spannendsten Entwicklungen in der Kunst des 20. Jahrhunderts – genauer: zwischen 1907 und 1917 – gezeigt.“

Mit dem Kubismus wird eine der spannendsten Entwicklungen in der Kunst des 20. Jahrhunderts – genauer: zwischen 1907 und 1917 – gezeigt. Ganz am Anfang stand Paul Cézanne, der „die Natur mittels Zylinder, Kugel und Kegel behandeln“ wollte, die entscheidenden Träger des Kubismus aber waren Georges Braque und Pablo Picasso. Beide entwickelten in gegenseitiger Steigerung eine immer neue Bildsprache, fanden neue Impulse auch in scheinbar primitiven, frühen außereuropäischen Kulturen. Der Kubismus wurde immer mehr zur bestimmenden Kunstrichtung des neuen Jahrhunderts, Picasso und Braque fanden zudem im Pariser Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler einen Galeristen, der die Arbeit der Künstler begeistert begleitete.
Als Picasso 1910 die Umrisse seiner Motive aufzulösen begann, meinte Kahnweiler: „Picasso hat die geschlossene Form durchbrochen.“ Picasso und Braque waren die wichtigsten Vertreter des Kubismus, aber natürlich nicht die einzigen. Zu ihnen gesellten sich neben anderen Robert und Sonia Delaunay, Juan Gris, Henri Laurens, Francis Picabia und etwas später dann auch Fernand Léger sowie Raymond Duchamp-Villon, der mit seiner Skulptur „Das große Pferd“ die Schau auch zeitlich abschließt.

Es ist tatsächlich ein Kosmos, der sich in dieser großartigen Ausstellung (leider nur noch bis 18. August) erchließt. Wer sich die Fahrt nach Basel antut, wird die Rückreise beglückt antreten. Denn so viele Arbeiten, die die bildende Kunst bis heute beeinflussen, in solcher Konzentration und hervorragender Präsentation, wird man nicht so bald wieder sehen.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.