Die Zukunft der Maisäße

Kultur / 20.09.2019 • 10:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Atrium im Vorarlberg Museum bildet die Kulisse für die ausgestellten Foto- sowie Video-Installationen.  VN/PAULITSCH

Vorarlberg Museum zeigt eine Ausstellung zur Geschichte und Realität eines Kulturguts.

Bregenz Die Ausstellung „Mythos Idylle Maisäß“ stellt die Geschichte und Entwicklung eines Kulturguts in den Mittelpunkt, dessen Zwecke sich mit den Jahren deutlich verändert haben. Im Atrium des Vorarlberg Museums wird den Besuchern ein Projekt vorgestellt, das die Veränderung der Maisäßlandschaft im Montafon aufzeigt und gleichzeitig Anreize für Diskussionen über ihre Zukunft und ihren Erhalt schafft.

Unter einem Maisäß versteht man eine Hütte, die sich auf einer vorübergehend bewirtschafteten Bergweide befindet. „Maisäße entstanden früher aus der Not heraus, um als Unterkunft für die Bauern auf der Alpe zu dienen“, erklärt Kuratorin Carina Jielg.

Wichtig für diese Almhütten war die Nähe zum Stallgebäude, ansonsten begnügte man sich mit dem Notwendigsten. Auch fließendes Wasser und Strom suchte man vergebens. Das Leben auf einem Maisäß war zudem mit beschwerlicher Arbeit verbunden, denn gearbeitet wurde ohne maschinelle Unterstützung.

Gefahr der Zweckentfremdung

„Seit dem 20. Jahrhundert kann man einen starken Wandel hinsichtlich der Nutzung der Maisäße beobachten“, fährt Jielg fort. Wo früher rein landwirtschaftliche Zwecke verfolgt wurden, gerät der Tourismus immer mehr in den Vordergrund. Mit dieser Problematik beschäftigen sich die ausgestellten Arbeiten der Künstler Bernhard Garnicnig, Matthias Garnitschnig, Claudia Larcher und Tobias Maximilian Schnell, die jeweils selbst einige Wochen auf einem Maisäß verbracht haben. „Die Foto- und Video-Installationen sollen aufzeigen, dass bei diesem Kulturerbe zunehmend die Gefahr besteht, zweckentfremdet zu werden“, sagt Jielg.

Videos mit Fotomontagen, die zeigen, wie die Berglandschaft in Zukunft aussehen könnte, sowie Aufnahmen eines temporären Kunstwerks werden den Besuchern in der Ausstellung präsentiert. Auf zwei Tischen sind Bücher aufgelegt, die einen Einblick in das Leben auf der Alpe geben. Ergänzt wird das Programm mit einem Informationsabend, der sich mit Montafoner Strategien zur Erhaltung der Kulturlandschaft beschäftigt, und einer Exkursion zum Maisäß Manuaf in Tschagguns.

Die Ausstellung soll für die Besucher ein begehbarer Arbeitsraum sein, in dem man den Fragen zur Maisäß-Problematik nachgehen kann. Ziel der Kuratoren ist es, an die landwirtschaftliche Verwendung der Hütten zu erinnern und sogleich einen zukunftsgerichteten Diskurs anzuregen. Derya Metzler

„Mythos Idylle Maisäß“: Vernissage Freitag, 20. September, 17 Uhr. Geöffnet vom 21. September bis 17. November, Vorarlberg Museum, Bregenz. www.vorarlbergmuseum.at