So geht es nach der Bewerbung mit Dornbirn Plus weiter

Kultur / 12.11.2019 • 11:15 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Projektleiterin Bettina Steindl. VN/STEURER

Kulturhauptstadt 2024: Dornbirn gratuliert Bad Ischl. „Europa wir kommen trotzdem“, so der Tenor nach der Abstimmungs-Niederlage.

Wien Der Titel „Kulturhauptstadt Europas 2024“ geht an Bad Ischl mit dem Salzkammergut. Heute Vormittag verkündete die zwölfköpfige Jury, die aus Kulturexpert*innen aus ganz Europa besteht, im Bundeskanzleramt für Kunst und Kultur in Wien die Entscheidung. Aus Vorarlberg bewarb sich „Dornbirn plus Feldkirch Hohenems Bregenzerwald“ um den Titel. Das Bewerbungsbüro „Dornbirn plus“ wird auch ohne Titelgewinn weiterhin für Vernetzungen, Kooperationen und Partnerschaften im Land und in der Bodenseeregion stehen, um Vorarlberg aktiv als Kulturraum weiterzuentwickeln. „Wir sind die erste aktive ‚Nicht-Kulturhauptstadt‘ und die erfolgreich geleistete Arbeit der letzten zwei Jahre soll weitergeführt werden. Wir freuen uns darauf, Vorarlberg auf der kulturellen Landkarte Europas als kulturelle Entwicklungs- und Pilotregion zu positionieren“, erklärt Projektleiterin Bettina Steindl.

Gemeinsame Bewerbung

Die drei Städte Dornbirn, Feldkirch und Hohenems traten gemeinsam mit der Region Bregenzerwald um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2024“ an. Die Mitbewerber waren St. Pölten und Bad Ischl mit dem Salzkammergut. Heute Vormittag hat die zwölfköpfige, europäische Jury ihre Entscheidung im Bundeskanzleramt in Wien verkündet. Bad Ischl mit dem Salzkammergut darf ab sofort den wichtigsten Kulturtitel Europas tragen: „Kulturhauptstadt Europas 2024“. „Die Konkurrenz war stark, sowohl St. Pölten als auch Bad Ischl haben mit ihren Teams –genauso wie wir – mit viel Herzblut und vollem Engagement, Können und Wissen ein beeindruckendes Programm ausgearbeitet. Wie bei einem Wettbewerb üblich, gibt es nur einen Gewinner, das war uns vollkommen bewusst“, so Bettina Steindl. „Wir haben mit der Bewerbung gemäß unseres Mottos ‚Outburst of Courage‘ den Mut bewiesen, uns dem Wettbewerb zu stellen und gratulieren der Bad Ischl aufrichtig. Wir haben unser Bestes gegeben. Ich bin stolz auf die Arbeit, die wir als Team – übrigens das einzige Frauenteam in ganz Europa – in den vergangenen Monaten geleistet haben. Unser Ziel ist es, Vorarlberg gemeinsam mit der Bodenseeregion auch zukünftig aktiv und selbstbewusst auf der kulturellen Landkarte Europas zu positionieren. Mit Bad Ischl, aber auch mit St. Pölten werden wir in engem Austausch bleiben und einzelne Projekte zusammen realisieren“, informiert Steindl weiter.

„Freuen uns mit Bad Ischl“

Andrea Kaufmann, die Bürgermeisterin der Bannerstadt Dornbirn, gratuliert der Bannerstadt Bad Ischl mit dem Salzkammergut ebenfalls ganz herzlich. „Wir freuen uns mit Bad Ischl. Natürlich hätten wir diese große Auszeichnung gerne nach Vorarlberg geholt. Der Titel ‚Kulturhauptstadt Europas‘ wäre eine riesengroße Chance gewesen und hätte den Städten und der Region einen zusätzlichen Antrieb und eine besondere Qualität für die Entwicklung von Kunst- und Kulturprojekten verliehen. Wir haben den ‚Mutausbruch‘ gewagt. Der begonnene, gemeindeübergreifende Prozess hat uns nicht nur näher zusammenrücken lassen, sondern wir werden uns auch in Zukunft mit der Frage beschäftigen, wie wir zusammen leben wollen. Die Kultur durchdringt alle Lebensbereiche und ist ein wichtiges Mittel, Antworten zu finden.“ Feldkirchs Bürgermeister Wolfgang Matt sieht den Bewerbungsprozess selbst bereits als großen Gewinn: „Natürlich, der Titel hätte uns nochmals größere Handlungsspielräume in der regionalen Kulturentwicklung erlaubt, aber vieles wurde bereits auf den Weg gebracht und lebt weiter.“ Dieter Egger, Bürgermeister von Hohenems, blickt trotz der Absage motiviert und optimistisch in die Zukunft: „Wir setzen die Arbeit auf jeden Fall über die Gemeindegrenzen hinweg fort. Die in den letzten Jahren entstandenen Visionen und Ideen bilden eine gute Basis, um Vorarlberg als Kulturraum voranzubringen.“ Ähnliche Töne schlägt auch Guido Flatz, Obman der Regio Bregenzerwald an: „Der Titel wäre ein Katalysator für die regionale Kulturentwicklung gewesen. Nichtsdestotrotz werden wir an die bereits geleistete Arbeit anknüpfen.“

„Europa, wir kommen trotzdem!“

„Unser Mutausbruch geht weiter. Jetzt braucht es den Mut, das Beste umzusetzen“, so die Projektleiterin, die umfassende Kulturhauptstadt-Erfahrung besitzt und bereits für Linz (Linz09) und das Ruhrgebiet (RUHR.2010) gearbeitet hat. Sie betont: „Der intensive Prozess um die Bewerbung hat sich gelohnt und war keineswegs umsonst. Teile aus dem Bidbook werden in Kooperation mit den Kulturinstitutionen und gemeinsam mit europäischen Partner*innen gemeindeübergreifend umgesetzt. Das Projekt „Spot on …“, das 96 Gemeinden in Vorarlberg mit Gemeinden im Bodenseeraum vernetzt, ist beispielsweise ein solches. Es wurde eine konkrete „Kulturstrategie 2030“ für Dornbirn ausgearbeitet. Darin sind Handlungsfelder definiert und klare Zielsetzungen. Diese Strategie gilt in Teilen auch für die Partnerstädte, die, angeregt durch den Kulturhauptstadt-Prozess, nun ebenfalls Kulturstrategien ausarbeiten werden“, erklärt Bettina Steindl abschließend. Österreich teilt sich den Titel im Jahr 2024 mit Tartu in Estland und Bodø in Norwegen und hat bisher mit Graz (2003) und Linz (2009) zweimal eine Kulturhauptstadt gestellt. Das Budget, das die drei Städte anteilsmäßig, gemessen an ihren Einwohnerzahlen und mit einem Beitrag der Regio, für den gesamten Bewerbungsprozess aufgebracht haben, beläuft sich auf insgesamt 735.000 Euro.

Am 12. November um 20 Uhr lädt das Bewerbungsteam „Dornbirn plus“ gemeinsam mit der Stadt Dornbirn in die inatura zum „Fest der Kultur“ – als Dankeschön für alle Netzwerkpartner*innen, Bewerbungspartner*innen und Kulturfreunde.

Kulturhauptstadt Europas

Das Projekt Kulturhauptstadt ist das größte länderübergreifende Kulturprojekt Europas. Ein festgelegtes Rotationsprinzip sieht jährlich zwei Städte in der EU als Kulturhauptstadt und seit Kurzem auch eine Stadt aus einem Nicht-EU-Land vor. Im Jahr 2024 sind Österreich und Estland an der Reihe die Kulturhauptstadt zu stellen. Eine unabhängige, zwölfköpfige, europäische Expert*innenjury beurteilt die Bewerbungen und trifft ihre Entscheidung auf Basis von sechs Kriterien – darunter die kulturellen Inhalte und die europäische Dimension der Bewerbung. Absicht der Initiative ist es, dazu beizutragen, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa sichtbar zu machen und ein besseres Verständnis der europäischen Bürger*innen füreinander zu ermöglichen.